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„Erleben, dass wir viele sind.“

Eindrücke vom Evangelischen Kirchentag – ein Seminarbesuch von Annette Haußmann Was ist ein Event und was hat Kirche damit zu tun? Diese Frage stellte sich die Übung „Kirche – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ im Vorfeld zum gemeinsamen Besuch des 35. Evangelischen Kirchentags in Stuttgart. Mit der Grundlage des Textes von Harald Schroeter-Wittke1 zum Eventbegriff und der Bedeutung des Kirchentags gelang eine erste Näherung an das Phänomen des christlich-kirchliches Events. Es stellte sich heraus, dass nahezu alle TeilnehmerInnen bereits Erfahrungen mit derartigen Veranstaltungen gemacht hatten – wobei sich die Grenzen als fließend offenbarten: ist ein Weltgebetstag, ein Gemeindefest oder ein monatlich ... mehr

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Braucht liberale Theologie eine normative Moderne?

Sie kennt die Falschen und die Echten / sie trennt die Guten von den Schlechten (Fink – Stern) Dieser Beitrag greift eine Frage auf, die auf dem 11. Kongress der Ernst-Troeltsch-Gesellschaft, der unter dem Titel Freiheitsglaube. Liberale Religion heute vom 16.-18. Februar in Augsburg stattfand, gestellt wurde: Welche Bedeutung hat ein „normativer Modernebegriff“ für eine Theologie, die sich als „liberal“ versteht? Nun sollen die dortigen Diskussionen hier nicht im Detail nachgezeichnet oder einfach fortgeschrieben werden. Stattdessen soll hier eine grundsätzliche Positionierung erfolgen. Als Kritiker einer solchen Konzeption von liberaler Theologie möchte ich 10 Argumente präsentieren, die mich dazu führen, einen ... mehr

Empört Euch!

Antijüdisch-kolonialistische Konstrukte und hegemoniale Projektion ‚des Anderen’. Anmerkungen zu einem antijüdischen ‚Credo’ im bayerischen Korrespondenzblatt1 von Cand. theol. Jonas Leipziger, M.A. (Neuendettelsau) Das Verhältnis von christlicher Theologie und Kirche zum Judentum hat sich im vergangenen Jahrhundert nach der Katastrophe der Shoa vor allem dank des jüdisch-christlichen Dialogs grundlegend verändert: Die Revisionsbedürftigkeit christlicher Grundüberzeugungen wurde hinsichtlich ihres Antijudaismus und ihrer Verhältnisbestimmungen zu Jüdinnen und Juden deutlich. Dieser Paradigmenwechsel2 zu einer Hinwendung zu Jüdinnen und Juden, der Achtung ihres Selbstverständnisses, der Wertschätzung jüdischer Tradition, der Wiederentdeckung der jüdischen Wurzeln Jesu und des Neuen Testamentes als jüdisch und der Abkehr von den unheilvollen ... mehr

Laizismus-Debatte: Man muss schon sehr daran glauben – Laizismus ist nichts für Skeptiker

von Tobias Graßmann [Laizismus-Debatte: Julian Scharpf: Gedanken zur aktuellen Debatte um das Verhältnis von Staat und KircheKai Gräf: "Güter auf die der Staat angewiesen ist?" - Das freiheitsfördernde Potential der Religionen in der modernen DemokratieTobias Jammerthal: Homo homini lupus - und deswegen LaizimusTobias Graßmann: Man muss schon sehr daran glauben - Laizismus ist nichts für Skeptiker] Kürzlich hat an dieser Stelle Kai Gräf einen wortgewaltigen und engagierten Einspruch gegen einen Debattenbeitrag von Julian Scharpf veröffentlicht. Gräfs Argumentation weist dabei pointiert auf Unstimmigkeiten im Umgang kirchlicher Kreise mit dem sog. Böckenförde-Axiom hin, das besagt, der liberale Rechtsstaat lebe von Voraussetzungen, die er selbst ... mehr

Laizismus-Debatte: Homo homini lupus – und deswegen Laizismus?

Anmerkung der Redaktion: Letzte Woche nahm Kai Gräf unter dem Titel „Güter, auf die der Staat angewiesen ist“? - Das freiheitsfördernde Potential der Religionen in der modernen Demokratie kritisch zu einem Beitrag von Julian Scharpf Stellung. Dieser hatte sich unter Gedanken zur aktuellen Debatte um das Verhältnis von Staat und Kirche mit einem neuen Positionspapier der Grünen in BaWü zum Verhältnis von Staat und Kirche auseinandergesetzt. Beim vorliegenden Beitrag handelt es sich um eine Replik auf den Artikel von Kai Gräf. Zur besseren Nachvollziehbarkeit wurden alle drei Artikel mit dem Obertitel Laizismus-Debatte versehen. Homo homini lupus – ... mehr

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Laizismus-Debatte: „Güter, auf die der Staat angewiesen ist“? - Das freiheitsfördernde Potential der Religionen in der modernen Demokratie

Die christlichen Kirchen genießen in Deutschland weitreichende Privilegien. Weil sich diese in einer pluralistischen und säkularisierten Gesellschaft zunehmend schwerer begründen lassen, bedienen sich ihre Verteidiger einer geschickten Argumentation: Die Demokratie, so behaupten sie, sei auf die gemeinschafts-fördernde Wirkung der Religion angewiesen, ohne die ein freiheitlich-säkularer Staat nicht fortbestehen könne. Zuletzt hat diese Position Julian Scharpf („Gedanken zur aktuellen Debatte um das Verhältnis von Staat und Kirche“) vertreten, auf den der vorliegende Beitrag antwortet. von Kai Gräf Dass baden-württembergische Schulkinder „in Ehrfurcht vor Gott“ und „im Geiste der christlichen ... mehr

Laizismus-Debatte: Gedanken zur aktuellen Debatte um das Verhältnis von Staat und Kirche

von Julian Scharpf Die religionspolitische Verfasstheit unserer Zeit ist durch das Scheitern laizistischer Modelle gekennzeichnet. In Frankreich, dem Mutterland des modernen Laizismus, werden Diskurse über die Sichtbarkeit von Religion in der Öffentlichkeit zu Kulturkämpfen. In der Türkei rächt sich der harte laizistische Kurs der Kemalisten gegen Religiosität in der Renaissance eines erzkonservativen bis fundamentalistischen politischen Islam. Seit dem Aufstieg Erdogans und der AKP ist Laizismus nur noch Begriff für die Ungleichbehandlung der Religionen. Während die Rechte von Muslimen ausgeweitet werden, leiden religiöse Minderheiten wie Aleviten und Christen unter systematischer Diskriminierung. Auch in totalitären Systemen wie Aserbaidschan, China oder Kuba ist „Laizismus“ ... mehr

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Raus aus der Kirche - Erfährt die christliche Kirche einen Bedeutungsverlust in der Gesellschaft?

von Malte Jericke Auf den ersten Blick scheinen die Zahlen erdrückend. Die „V. EKD Erhebung über Kirchenmitgliedschaft“ macht deutlich, dass die Evangelische Kirche in Deutschland innerhalb unserer Gesellschaft enorm an Bedeutung verliert. Waren 1970 noch 49% der Deutschen evangelisch und 44,6 % katholisch, so sind es im Jahr 2010 jeweils nur noch knapp über 29%. Mit 37,2 % sind die Konfessionslosen in der Zwischenzeit mit Abstand die größte Gruppe. Wobei die Anzahl der Konfessionslosen in Ostdeutschland noch sehr viel höher ist als in Westdeutschland.1 Dabei ist ein klarer Trend zu erkennen, dass immer mehr Menschen aus der Kirche austreten. Religion ist ... mehr

Der Zeit ins Wort fallen - die Aufgabe der Theologie und das Verhältnis von Theologie und Politik

Überlegungen im Anschluss an Karl Barth von Jan Holzendorf Einführung Das Verhältnis von Theologie und Politik ist ein notwendiges Verhältnis. Weder die eine noch die andere Seite kommt aus diesem Verhältnis heraus, solange Himmel und Erde bestehen – selbst die Verabschiedung einzelner Theologen oder religiöser Gruppen aus der Gesellschaft ist ein Verhalten zu diesem Verhältnis. Zu fragen ist demnach nicht nach dem Ob einer solchen Verbindung, sondern nach dem Wie. Und nun genauer: Wie verhält sich die Theologie zur Politik, wie versteht sie selbst sich in diesem Miteinander, aus dem ein Entkommen nicht möglich ist? Ein Blick in die ... mehr

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Unscharfe Begriffe, kernige Thesen. Zu Hamed Abdel-Samads neuem Buch

Hamed Abdel-Samads neues Buch vergleicht Faschismus und Islamismus. Das Ergebnis verrät viel über das problematische Religionsverständnis des Autors. Von Andreas Bechstein Mit seinem neuen Buch „Der islamische Faschismus. Eine Analyse“ (2014) ist Hamed Abdel-Samad zweifellos ein Werk gelungen, das die Debatte um „den“ Islam in Deutschland befeuern wird. Der Beitrag dürfte sich jedoch auf eine weitere Polarisierung beschränken. Die These ist schnell zusammengefasst: Der Islamismus als politische Bewegung habe eindeutig faschistoide Züge. Diese seien nicht erst im Laufe einer historischen Entwicklung in den Islamismus integriert worden, sondern vielmehr essentieller Bestandteil islamischer Theologie. Hat Abdel-Samad Recht, dann wäre nicht nur der Islamismus ... mehr

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Religion und Atheismus – Zwei Weltdeutungsoptionen im säkularen Zeitalter

Heutzutage erscheint es uns, die wir in einer westlichen säkularen Gesellschaft leben, als ganz selbstverständlich, dass einige Menschen an einen Gott glauben, andere jedoch nicht. Jeder Mensch muss individuell für sich entscheiden, wie er die Welt und sein Leben deutet und ob er dies als Theist oder Atheist tut. In diesem Sinne bezeichnet der kanadische Philosoph und Soziologe Charles Taylor die gegenwärtige Situation als ein säkulares Zeitalter, als dessen zentrales Charakteristikum er feststellt, dass der Glaube an Gott nur noch eine Weltdeutungsoption unter vielen, insbesondere auch der atheistischen, darstellt, während er früher – jedenfalls für die meisten Menschen – eine ... mehr

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Kirche und Homosexualität

Aktuelle Diskussionen um Kirche, Theologie und Homosexualität: Die Gnade Gottes als Diskursobjekt Jonas Leipziger, Jerusalem/Heidelberg1 (In der Downloadsektion findet sich auch eine pdf-Version dieses Texts) Die Art und Weise, wie die öffentlichen Debatten der letzten Woche über Homosexualität und Vielfalt von Lebensformen neben der heterosexuellen Norm geführt werden, legen ein deutliches Zeugnis ab, wenn zum Einen immer noch Mut dazu gehören muss, sich als Fußballprofi zu seiner Homosexualität zu ‚bekennen’ – als ob sich jemand zu einer heterosexuellen Identität ‚bekennen’ müsste – und wenn zum Anderen harmlose Leitprinzipien des baden-württembergischen Kultusministeriums zu kontroversen Debatten, Anfeindungen, Petitionen2 ... mehr

Ist Religion Privatsache?

Überlegungen zu privater und gemeinschaftlicher Religionsausübung von Johannes Graßmann 1. Anlass Im vergangenen Superwahljahr 2013 forderten unterschiedliche Parteien auf ihren Plakaten dazu auf, „Religion [zu] privatisieren“1. Auch die These, dass Religion ihrem Wesen nach ohnehin Privatsache sei und daher keiner staatlichen und institutionellen Regulierung bedürfe, ist nicht neu.2 Die Forderungen nach weitergehender Trennung von Staat und Kirche und nach Anerkennung bzw. Gleichberechtigung aller religiösen Vorstellungen sollen hier nicht diskutiert werden. Das Ziel dieses Aufsatzes sei der Nachweis, dass die Urheber dieser Thesen erstens einen nicht ausreichend definierten und differenzierten Begriff des Privaten verwenden und, dass zweitens Religion niemals reine Privatsache ... mehr

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Religion und Gesellschaft

Ein Eröffnungsartikel von Claudia Kühner-Graßmann Religion ist in der Gesellschaft und in der Gesellschaft ist Religion. So einfach und plausibel dieser Satz ist, so vielfältig und komplex sind die Möglichkeiten, jenes Verhältnis zu bestimmen. Schon die Grundfrage „Was ist Religion?“ wird kontrovers diskutiert. Abhängig ist die Beantwortung dabei immer auch vom gesellschaftlichen Kontext, von den Religionen einer Gesellschaft oder von der jeweiligen Religiosität der Theologisierenden selbst. Als evangelische Theologinnen und Theologen sollten wir uns daher auch fragen, ob es ein spezielles „protestantisches“ Profil von Beteiligung an der Gesellschaft und eine protestantische Vorstellung von der Gesellschaft gibt. Also: Wie die Gesellschaft in ... mehr

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