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Theologische Enzyklopädien vorgestellt – 2: Adolf Schlatter

von Johann von Lehsten


„Wie studiert man Theologie?“1 Diese Frage setzt Adolf Schlatter seiner Vorlesung „Einführung in die Theologie“ voraus. Auch heutzutage ist diese Frage für Studenten der Theologie, aber auch für examinierte Theologen von großer Wichtigkeit. Deshalb soll hier besprochen werden, ob auch die 2013 im Calwer Verlag veröffentlichte Vorlesung Adolf Schlatters zu diesem Thema einen Diskussionsbeitrag anbieten kann.

Die „Einführung“ wurde von Schlatter insgesamt sechs Mal als Vorlesung gehalten, zuletzt im Jahre 1924.2 Aus der letzten Vorlesung stammt auch die Mitschrift, welche von dem Studenten Erwin Mühlhaupt angefertigt wurde und später als Grundlage für den Text des veröffentlichten Buches diente. Es handelt sich also nicht um das originale Vorlesungsskript.3


Die Edition umfasst drei Teile, zunächst einer Einführung des Herausgebers sodann als Hauptteil die Vorlesung Schlatters. In einem letzten Teil wurde außerdem die schon andernorts veröffentlichte Rede Schlatters „Erfolg und Mißerfolg im theologischen Studium“ beigefügt.


Der Herausgeber Werner Neuer hat eine Schlatter-Biographie verfasst und ist Träger des Adolf-Schlatter-Preises.4 Seine genauen Kenntnisse vom Leben des Theologen werden auch in der Einführung sichtbar, welche einen Bogen von der Historie der Vorlesung zu ihrer vom Herausgeber erhofften Wirkung heutzutage spannt.

Die Vorlesung stellt nach Neuer „ein theologisches Vermächtnis“ dar, da es sich um „die einzige ausführlichere Stellungsnahme Schlatters zum ganzen der Theologie“ handelt.5 Als Leserschaft sollen allerdings nicht nur Kenner der Theologie Schlatters in Frage kommen, sondern auch Studenten und Laien. Die ursprüngliche Funktion der Vorlesung, eine Einführung zu geben, sollte also auch heute bewahrt werden.6

Wie studiert man Theologie? In seiner Vorbemerkung macht Schlatter deutlich, dass er damit nicht die Frage nach dem Inhalt der theologischen Fächer stellt, sondern nur nach der Theorie. Es geht ihm darum, die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Theologie und ihrer Fächer zu erweisen. Dies soll jedoch nicht in der Form einer Norm geschehen; sondern Studium und der wissenschaftliche Gedanke erweisen sich erst gegenüber dem Vollzug der Wirklichkeit als wahr. Studium ist demnach nur möglich, wenn es nicht nur in der Idee verharrt, sondern auch einen Willen hervorbringt, also einem Ziel dient. Seine Vorlesung baut er deshalb in drei Teilen auf. Der erste Teil thematisiert das Ziel, der zweite Teil die Lehrmittel und der dritte Teil den Gegenstand der Theologie.7


Anhand der Überschriften der ersten fünf Paragraphen, die den ersten Teil ausmachen, lässt sich erkennen, was Schlatter darunter versteht, eine Einleitung in die Ziele der Theologie zu geben. Jeweils vier der Paragraphen tituliert er mit Begriffspaaren, die das Spannungsfeld, in dem sich die Theologie bewegt, ausmachen: 1. Amt und Theologiestudium, (2. Die Wissenschaftlichkeit der Theologie), 3. Der Glaube und die wissenschaftliche Arbeit, 4. Denken und Wollen, 5. Lernen und Forschen. Schon der Aufbau zeigt einen Schwerpunkt in Schlatters Denken auf. Für Schlatter spielt das Verhältnis zwischen Idee und Tun eine besonders wichtige Rolle. Nach seinem Modell führt jedes Denken auch zu einem entsprechenden Wollen. Liest man die Abschnitte, fällt ein weiterer Punkt auf: Jeden der Begriffspaare versucht Schlatter in einen möglichst großen Ausgleich zu bringen. Das Ziel (die Handlung) einerseits soll nicht der alleinige Grund für die Idee sein, andererseits darf soll es auch keine Idee ohne Ziel (Handlung) geben. Vielmehr sollen sich beide Bereiche gegenseitig beeinflussen und rechtfertigen. So macht Schlatter auch im ersten Abschnitt deutlich: „Das Studium hat aber seinen eigenen Zweck, der es von dem, was dem Amt aufgegeben ist, deutlich unterscheidet. Dieser Unterschied darf aber nicht zur Zertrennung werden [...].“8 Im „Amt“ solle es eine Einigung der Vielen geben, indem die freie Tätigkeit der Einzelnen zu einem gemeinsamen Handeln verbunden wird. Nach einem geschichtlichen Überblick über verschiedene Formen des Amtes in der Kirchengeschichte erläutert Schlatter die Notwendigkeit des Studiums im Hinblick auf das Pfarramt. Da die Aufgabe des Amtes die Einigung der Vielen ist, braucht es eine „sorgfältige Begründung dessen, was Christenstand ist“ und „eine Klarheit im Denken“.9

Logischerweise erklärt Schlatter im darauffolgenden Abschnitt, was die „Klarheit im Denken“ ausmacht. Er untersucht die Wissenschaftlichkeit der Theologie. Zunächst erklärt er seine These, warum für ihn die „christliche Arbeit [...] unter [der] Wahrheitsregel [steht]“.10 Wahrheitsregel bedeutet für ihn, dass es sich beim Theologiestudium nicht nur um Anreicherung von Wissen handelt, sondern auch um Beurteilung desselben. In der Beurteilung vergleicht und einigt man das gelernte Wissen mit dem vorhandenen. Dem Einwand, dass es für diesen Prozess in der Theologie das zu bedenkende Objekt, also Gott, fehlt, begegnet Schlatter mit der Erklärung, dass das theologische Lernen und Urteilen des Einzelnen nicht außerhalb der christlichen Gemeinschaft stattfinden kann. Somit ist die Wissenschaftlichkeit des christlichen Theologiestudiums nicht ohne das Wirken Gottes denkbar.11

Auf diese Weise leitet Schlatter zu seinem nächsten Spannungsfeld in § 3 über: Der Glaube und die wissenschaftliche Arbeit. Zu Beginn macht Schlatter deutlich: Glaube ist nicht nur Wissen oder Gedanke, sondern immer mit einem Wollen verbunden. Glaube führt also zwangsläufig zu einer veränderten Lebensgestaltung. Der Glaubensinhalt lässt sich nun nach Schlatter mit der Wissenschaft darstellen, da er „restlos dem logischen Gesetz [untersteht]“.12 Die Entstehung des Willens und damit des Glaubens ist aber für Schlatter dem Denkakt entzogen und somit nicht wissenschaftlich darstellbar. Der Glaube bleibt ein „Geschenk Gottes“, das Theologiestudium kann keine „Glaubensfabrik“ sein, sondern sich nur mit dem Inhalt des Glaubens beschäftigen.13 Außerdem bleibt der Glaube unverfügbar und schafft den Eindruck des Unbegreiflichen.14 Deshalb, da Gott für uns niemals ganz erschließbar sein wird, kann der Glaube nicht dazu führen, dass die Theologie zu einem Ende führt, vielmehr bleibt die Notwendigkeit des theologischen Denkens immer weiter bestehen.15

Die Definition des Glaubens führt zum nächsten Begriffspaar: Denken und Wollen. Schlatter wendet sich gegen die Forderung, die beiden entweder komplett zu trennen oder ihren Charakter zu vermischen: beide Bewusstseinsakte existierten nur in Beziehung miteinander. Wissenschaft soll selbstständig sein, es darf aber nicht die Annahme geschehen, dass das Denken nur um des Denkens willen geschieht. „Die Bewegung unsers Intellekts läßt sich nicht sich nicht unabhängig von der Bewegung unsers Willens herstellen.“16 Damit ist auch der Wille vom Gedanken abhängig.17

In § 5 leitet Schlatter zu den nächsten Vorlesungsteilen über. Im Studium verlangt er, dass es sowohl Lehre als auch Forschung geben müsse, da beides der „Systembildung“ diene.18 In der Lehre geht es darum, Wissen zu vermitteln und für die Studenten darum, Wissen zu erlangen. Dieses ist notwendig, um in der Forschung andererseits ein kritisches Urteil zu finden. Dabei stellt nun Forschung, da man ein Thema erwählen muss, eine Einschränkung auf dem Feld der Theologie dar. Deshalb fordert Schlatter den Ausgleich von Lehre und Forschung. Im Folgenden stellt Schlatter dar, zwischen welchen Forschungsgebieten der Theologe wählen muss und erklärt diese. Theologie befasse sich mit Vergangenheit oder Gegenwart und arbeite im „historischen [oder] dogmatischen Betrieb“.19

Damit stellt Schlatter zum einen dar, wie die Lehre und die Forschung vonstatten gingen (Die Lehrmittel der Theologie), zum anderen, welche Eigenarten und Funktionen die einzelnen Felder (Fächer) der Theologie haben (Gegenstand der Theologie).

Insgesamt ist der erste Abschnitt sehr stark von theoretischen Überlegungen geprägt und liest sich entsprechend schwer. Auch stellen die Abschnitte nur sehr überblicksartig breite Themenfelder dar. Dadurch bekommt man als Leser das Gefühl, einige Problemstellungen erkannt zu haben, jedoch für eine ausreichende Kenntnis zu wenig zu wissen. Dies bestimmt indes gerade den Charakter einer Einführung. Schlatters Vorlesung zeigt an dieser Stelle, woran es den heutigen Einführungsveranstaltungen des Propaedeuticums häufig mangelt: Dort werden zwar die einzelnen Fächer und Disziplinen der Theologie vorgestellt, eine generelle Klärung über Sinn und Ziel des Theologiestudiums findet allerdings oft nicht statt. Die Feststellung, dass diese Fragen erst im Laufe der Studienzeit fortschreitend geklärt werden können, ist deshalb nicht zulässig, da es zumindest notwendig erscheint, zu erläutern, welche Fragen und Probleme es überhaupt gibt, und in welchem Bereich sich diese bewegen. Dazu bietet der erste Abschnitt einen sinnvollen Überblick und ist, auch wenn er teilweise schwer zu lesen ist, eine große Bereicherung.


Im zweiten Abschnitt thematisiert Schlatter in zwei Schritten die Lehrmittel der Theologie. In §§ 6-10 stellt er die generelle Form des Studiums vor und erklärt außerdem die möglichen Hilfswissenschaften, in den §§ 11-14 den Ablauf der biblischen Exegese und deren Hilfswissenschaften dar.20

Zu Beginn nimmt er seine Überlegungen aus §5 auf und macht deutlich, dass Lehre und Forschung in der Universität durch Kolleg (Vorlesung) und Seminar vertreten sind. Die Beziehung der Lehrenden und Studenten sei die, einer„freie[n] Gemeinschaft“.21 Zu Kolleg und Seminar tritt die Lektüre. Der Lesende vollziehe den Gedankengang eines anderen in sich nach und sammle so Wissen und Urteilskraft.22 In § 8 wird deutlich, was Schlatter mit seiner Forderung, die Theologie müsse sich an der Wirklichkeit erweisen, konkret meint: Er fordert dazu auf, neben dem Lernen auch religiösen Anschauungsstoff zu erfahren. Der Student soll also am Kirchenleben teilhaben und dabei einerseits das Gelernte prüfen, andererseits aber auch die Widersprüche in der Praxis wahrnehmen. Auch diese Aufforderung hat nichts an Aktualität verloren. Die Lektüre der Einführung Schlatters regt an, kritisch zu überlegen, ob und an welchen Stellen Theologie heute noch eine Theologie innerhalb der Kirche ist.

In § 9 stellt Schlatter die vier Fächer der Theologie vor (Schriftexegese, Kirchengeschichte, Systematische und Praktische Theologie). Diese behandeln die „Grundnormen des menschlichen Lebens: Vergangenheit und Gegenwart, Jesus und wir“.23 Exegese und Kirchengeschichte behandeln die Vergangenheit; die Systematische Theologie verknüpft die Vergangenheit mit der Gegenwart, untersucht die Beziehung des Jesusgeschehens zu uns und die Praktische Theologie befasst sich mit dem Zusammenleben der Vielen in einer Kirche.24 Da die Wissenschaft nicht nur aus Theologie besteht, sind nach Schlatter auch Hilfswissenschaften notwendig (§ 10).

Die §§ 11-14 widmet Schlatter der Erläuterung der Bibelexegese und ihrer Hilfswissenschaften. Dabei wird nicht deutlich, aus welchen Gründen genau er die Exegese innerhalb der Lehrmittel und nicht innerhalb des Gegenstandes der Theologie verortet. Einerseits ist die Exegese ein Mittel, theologischen Inhalt zu finden, andererseits wird dieser Inhalt in unseren heutigen Fächern Altes und Neues Testament auch direkt dargestellt. Zu diesem Thema wäre eine Anmerkung des Herausgebers notwendig gewesen, die über das Verhältnis zwischen unseren heutigen exegetischen Fächern und dem Verständnis Schlatters aufklärt, da es sich hierbei um eine nicht unerhebliche Fragestellung in Bezug auf den Aufbau des Studiums handelt und das Buch mit der Intention herausgegeben wurde, auch heute noch an Studenten und Laien gerichtet zu sein.

Schlatter nennt verschiedene Arten der Schriftexegese, wie die dogmatische oder die religionsgeschichtliche Exegese. In allen sieht er Schwächen und weist vor allem darauf hin, dass Exegese nur vollzogen werden kann, wenn der Text als Ganzes gesehen und wahrgenommen wird. Die Exegese solle also primär von den Texten selber kommend betrieben werden.25


Den letzten Abschnitt der Vorlesung (Der Gegenstand der Theologie) beginnt Schlatter in §§ 15-19 mit der Kirchengeschichte und ihren Hilfswissenschaften. Die Kirchengeschichte könne neben der Schrift keinen zweiten Zugang zu der Person Jesu darstellen, sei allerdings ein Zeugnis der Predigt dieses einen Evangeliums. Nach Schlatter wird die Kirchengeschichte indes auch von der natürlichen Geschichte beeinflusst. Dies sei auch im Sinne des Neuen Testaments, da es sich nicht um einen Gesetzestext handle. Aufgrund dieser Feststellung sei es notwenig, Kirchengeschichte zu erlernen, um die Gegenwart zu verstehen.26 Die drei wichtigsten Themenfelder in der Kirchengeschichte sind für Schlatter der Übergang vom biblischen zum kirchlichen Christentum, die Reformation und der Bruch mit der reformatorischen Kirche in der Aufklärung.27 Um ein themenübergreifendes Fach handelt es sich in der Dogmengeschichte. Das Dogma setzt nach Schlatter das gemeinsame Denken und damit auch das gemeinsame Handeln fest. Dieses sei in der Geschichte ebenso einer Veränderung unterlegen, da es sich um eine Geschichte Gottes mit den Menschen handle, die durch Christus grundgelegt ist.28

§ 20 behandelt die Dogmatik. Laut Schlatter stellt sich die Dogmatik der Frage, was der historische Befund für das gegenwärtige Leben der Christen bedeutet. Dabei könne die Dogmatik nur eine auf Tatsachen beruhende Wissenschaft sein, da sie sich nicht auf Wahrscheinlichkeiten aufbauen dürfe. Ein Teil der Dogmatik sei die Apologetik, die auch innerkirchlich gerichtet sein könne (§ 21).

Anschließend widmet sich Schlatter der christlichen Ethik (§ 22), welche die Frage beantworte, wie das Leben für die kirchliche Gemeinschaft fruchtbar werden könne. Eine Antwort erhalte man nur durch den von Gott im Glauben geschenkten Willen.29

Mit der Praktischen Theologie schließt Schlatter seine Vorlesung ab. Diese beantworte die Frage, was das religiöse Amt sei und welche Aufgabe es habe. Nach Schlatter ist die Einigung der einzelnen Christen in einer Gemeinde die wichtigste Aufgabe des Pfarrers. Dabei behandelt die Praktische Theologie nicht nur die technische, sondern auch die theologische Seite dieser Aufgabe. Nach dieser allgemeinen Einleitung stellt Schlatter die Fachbereiche der Praktischen Theologie und schließt letztendlich seine Vorlesung mit dem Wunsch ab, dass das Studium der Studenten eine „ununterbrochene Wanderung“ sein möge und nicht nur aus „Träumen und Phantasieren“, sondern vor allem aus der „Wahrnehmung seiner Werke“ bestehen möge.


Solche Ratschläge und direkten Anreden an die Studenten kommen recht häufig vor, insbesondere im 2. und 3. Abschnitt (S. 71-185). Dadurch wird der Leser an die Frage herangeführt, wo solche Situationen auch in seinem Studium auftauchen und wie er damit umgeht. Obwohl der zeitliche Abstand deutlich merkbar ist haben sich viele grundsätzliche des Theologiestudiums nicht verändert. Schlatters genaue Kenntnis und Freude am Theologiestudium wird auch in der Rede „Erfolg und Mißerfolg im theologischen Studium“ sichtbar. Der Herausgeber hat sie angefügt, da auch sie in Kurzform Grundeinsichten Schlatters zum Theologiestudium enthält.30 Schlatter wiederholt hier viele Einsichten aus der Vorlesung und bekräftigt, dass das Studium der Theologie, habe es einmal angefangen, nicht mehr enden würde.31 Die Rede Schlatters in das Buch zu integrieren wäre nicht notwendig gewesen. Thematisch passt sie zwar sehr gut, dadurch doppeln sich jedoch viele Themen. Außerdem ist die Rede in keiner Weise notwendig, um die Vorlesung zu verstehen oder abzurunden. Auch bietet sie auch wenig weiterführende Erkenntnisse. Andererseits stört die Rede an ihrer Stelle im Buch auch nicht und bietet die Möglichkeit nach der Lektüre der Vorlesung, sich an einige Themen wieder zu erinnern.


Ein anderes Merkmal des Buches ist allerdings sehr gut gelungen und notwendig zum Verständnis der Vorlesung. Der Herausgeber hat, wie in der Einleitung angekündigt, einen ausführlichen Apparat beigegeben, der philologische, historische und sachliche Erläuterungen beinhaltet. Dabei ist er teilweise so genau, dass es eher zu viele Anmerkungen sind, die jedoch auch, wenn sie unnötig sind, leicht überlesen werden können. In jedem Fall ist der Text dadurch auch für Laien verständlich. Der Theologe hätte jedoch von häufigeren Verweisen auf andere Schriften Schlatters profitiert.

Insgesamt lässt sich also feststellen, dass die Vorlesung von Schlatter „Einführung in die Theologie“ in einer gelungenen Art und Weise veröffentlicht wurde. Die Einleitung setzt einen guten Rahmen und die Kommentare in den Fußnoten sorgen dafür, dass der Text auch für Laien und Studenten verständlich ist. Insbesondere die besondere Stellung der Vorlesung innerhalb des schriftlich überlieferten Zeugnisses von Schlatters Theologie macht es unverständlich, dass weder die Universitätsbibliothek noch das Evangelische Seminar in Tübingen das Buch in ihrem Bestand haben. Die Ziele, welche der Herausgeber laut der Einleitung mit der Veröffentlichung des Buches erreichen wollte, werden durch den Inhalt der Vorlesung und die Nachbearbeitung eingehalten. Natürlich bleibt dem Buch die Spannung zwischen dem Inhalt der Vorlesung und dem zeitlichen Abstand erhalten. Auf der einen Seite steht hier die die Intention, Studenten in das Theologiestudium einzuführen, auf der anderen Seite steht die zeitlich bedingt veränderte Lage der theologischen Fakultäten und der theologischen Forschung. Wenn man als neu immatrikulierter Student ein Buch sucht, dass einen in das heutige Studium einführt, gibt es daher sicherlich bessere Bücher, welche die aktuellen Positionen und Streitfragen der Theologie darstellen und bessere Verweisliteratur angeben können. Für Studenten, die sich aber auch weiterhin dafür interessieren, den wissenschaftlich-logischen Grund des Theologiestudiums für sich zu erforschen und außerdem die Denkweise eines wichtigen Theologenkennenlernen wollen, bietet das Buch eine sehr gute und komprimierte Darstellung der Sichtweise Schlatters. Letztendlich bleibt es bei der Feststellung Schlatters, dass für ein Verständnis der Gegenwart auch Kenntnis der Geschichte notwendig ist. Um die Lage unserer heutigen Theologie zu begreifen, lohnt es sich deshalb auch zu den Wegbereitern dieser zu schauen. Dafür wurde durch die Veröffentlichung der Vorlesung Schlatters eine lohnenswerte Möglichkeit geschaffen.

Schlatter, Adolf: Einführung in die Theologie. Herausgegeben von Neuer, Werner. Stuttgart 2013.


Johann von Lehsten studiert evangelische Theologie auf Pfarramt an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

1 Schlatter, Adolf: Einführung in die Theologie. Herausgegeben von Neuer, Werner. Stuttgart 2013. S. 35.
2 Vgl. a.a.O. S. 9.
3 Vgl. a.a.O. S. 13ff.
4 Vgl. <http://www.adolf-schlatter-stiftung.de/adolf_schlatter_preis/preistrager/> (letzter Zugriff: 04.03.2015; 16:21)
5 A.a.O. S. 13.
6 Vgl. a.a.O. S. 15.
7 Vgl. a.a.O. S. 35f.
8 Vgl. a.a.O. S. 39.
9 Für diesen Abschnitt vgl. a.a.O. S. 39ff.; Zitat: a.a.O. S. 42.
10 A.a.O. S. 44.
11 Vgl. a.a.O. S. 44ff.
12 A.a.O. S. 53.
13 A.a.O. S. 54.
14 A.a.O. S. 55.
15 Vgl. für diesen Abschnitt a.a.O. S. 51ff.
16 A.a.O. S. 61.
17 Für diesen Abschnitt vgl. a.a.O. S. 61ff.
18 A.a.O. S. 64.
19 A.a.O. S. 67.
20 Vgl. a.a.O. S. 6.
21 A.a.O. S: 77.
22 Vgl. a.a.O. S. 80 ff.
23 A.a.O. S. 87.
24 Vgl. a.a.O. S. 87ff.
25 Vgl. a.a.O.106ff.
26 Vgl. a.a.O. S. 131ff.
27 Vgl. a.a.O. S. 138ff.
28 Vgl. a.a.O. S. 157f.
29 Vgl. a.a.O. S. 178ff.
30 Vgl. a.a.O. S. 18.
31 Vgl. a.a.O. S. 201ff.

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