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Kirche und Umwelt

Es gibt Forderungen, dass sich die Kirche wieder mehr auf ihr Kerngeschäft der Verkündigung beschränken und konzentrieren müsse. Aber muss sie das wirklich? In Bayern wurde die kirchliche Umwelt- und Klimaarbeit nun 40 Jahre alt. Ein Plädoyer für die Schöpfungsverantwortung der Kirchen von Dr. Wolfgang Schürger:


Die Mitverantwortung für eine menschenwürdige Zukunft angesichts der vielfältigen Umweltschäden und -bedrohungen erfordert die Mitarbeit der Kirche. - Mit diesen Worten bittet die Kirchenkanzlei der Evangelischen Kirche in Deutschland in einem Schreiben vom 2. April 1974 alle Gliedkirchen, Umweltbeauftragte zu benennen und zu einem bundesweiten Koordinierungstreffen zu entsenden. Im Mai 1974 beruft der Landeskirchenrat Siegfried Pallmann als ersten Umweltbeauftragten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) - nebenamtlich. Mit einem Festakt in Fürth St. Paul hat die Landeskirche am 19. Juli dieses 40-jährige Jubiläum gefeiert.


Christinnen und Christen bekennen Gott als den Schöpfer allen Lebens. Daraus folgt der Auftrag, Gottes Schöpfung zu bewahren und achtsam mit den Mitgeschöpfen umzugehen: Wir leben nicht aus uns selbst heraus und nicht für uns selbst: Gott ist Kraft und Quelle unseres Lebens. Angenommen durch ihn und befreit durch seine Liebe sind wir fähig, ethisch zu handeln.1

Kirchliche Umwelt- und Klimaarbeit fördert und stärkt das Bewusstsein für einen nachhaltigen Lebensstil in Gemeinden und Einrichtungen. Sie trägt dazu bei, die Schönheit der Schöpfung Gottes wahrzunehmen und in den Gemeinden das Lob des Schöpfers anzustimmen. Sie erhebt mahnend die Stimme, wo wir in Kirche und Gesellschaft, als Gruppen und als Einzelne Gefahr laufen, auf Kosten unserer Mitgeschöpfe zu leben.

Ermutigung für diesen Arbeitsbereich erfährt die Kirche durch außerkirchliche Stellen, wie Monika Kratzer, zuständige Abteilungsleiterin für Klimaschutz und Sekundärrohstoffe im bayerischen Umweltministerium, während des Festaktes deutlich machte: Kirchliche Umwelt- und Klimaarbeit ist nicht nur glaubwürdig, sie greift auch Themen auf, die andere noch nicht erkannt haben. Zum Beispiel das aktuelle Schwerpunktthema Wert(e)Stoffe unser Umgang mit dem Müll. Auch das Bayerische Umweltministerium greift das Problem des Plastikabfalls auf und erarbeitet derzeit eine Strategie gegen Mikroplastik. Kirche setzt somit Impulse über den eigenen Wirkungsbereich hinaus.

Dass dies möglich ist, liegt auch an rund 1.000 Ehrenamtlichen, die sich als Umweltbeauftragte in Kirchengemeinden, Dekanatsbezirken und der Landeskirche engagieren. Dieses große Netzwerk ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Umwelt- und Klimaverantwortung heute in allen Bereichen unserer Kirche als wichtiges Thema erkannt ist und eben in alle gesellschaftlichen Bereiche hineinwirken kann.


Kirchliche Umwelt- und Klimaarbeit nimmt Gottes Auftrag an uns Menschen ernst, den Garten Eden zu bebauen UND zu bewahren.2 Wo Christinnen und Christen sich in dieser Weise engagieren, da machen sie deutlich, dass der christliche Glaube Kraft hat, Gesellschaft im 21. Jahrhundert enkeltauglich zu gestalten.

Dabei bietet die Umwelt- und Klimaarbeit die Chance zur ökumenischen Zusammenarbeit. Die beiden Kirchen sind folgerichtig gemeinsam im Jahr 2007 der bayerischen Klimaallianz beigetreten. Das Bekenntnis zu Gott als Schöpfer verbindet die Konfessionen. Zugleich ist Umwelt- und Klimaarbeit Ausdruck einer missionarischen Kirche: Zum einen gewinnen wir hier Menschen zur Mitarbeit, die vorher oft eher am Rand der Kirchengemeinde standen; zum anderen zeigt eine umweltaktive Gemeinde, dass der christliche Glaube nichts Verstaubtes ist, sondern die Kraft hat, eine enkeltaugliche Zukunft zu gestalten.

Verschiedene Aspekte und gute Gründe, warum die kirchliche Arbeit in ihrer Vielfalt bestehen bleiben muss. Die Umwelt- und Klimaarbeit ist ein Bereich, der unlösbar mit christlicher Verantwortung verbunden ist.


Kirchenrat PD Dr. Wolfgang Schürger ist Beauftragter für Umwelt- und Klimaverantwortung in der bayerischen Landeskirche.Er ist Vorstandssprecher der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in den Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland und zudem Privatdozent für Systematische Theologie an der Augustana-Hochschule Neuendettelsau.

Informationen zur kirchlichen Umweltarbeit- und Klimaarbeit:

1 Botschaft der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern Mit Energie für gutes Klima, April 2009.

2 Gen 2,15.

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