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Kirche und Ökumene

Eröffnungsartikel von Florian Detzel (Kirche) und Michael Thiedmann (Ökumene)


Während draußen noch Schnee liegt und drinnen der heiße Kaffee duftet, versuchen wir die Rubrik ‚Kirche und Ökumene‘ von den anderen Rubriken des Netzwerkes Theologie in der Kirche abzugrenzen und danach zu fragen, welche Themen und Fragestellungen hier behandelt werden können.

Die folgenden Zeilen sind erste Gedanken, Ideen und Wahrnehmungen dessen, was uns hier bewegen wird und welche Spannweite die Thematik entfalten kann. Dabei erheben wir nicht den Anspruch, dass mit diesen Gedanken bereits alles erschöpfend dargestellt ist und jede Facette in den Blick genommen wurde. Vielmehr wird beständig nach weiteren Themen gesucht werden, die die Situation der Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie der Theologie im 21. Jahrhundert im Miteinander und Gegenüber betreffen.


Kirche

Die Aussage ‚Ich bin in der Kirche‘ scheint auf den ersten Blick recht eindeutig zu sein. Bei näherer Betrachtung fällt jedoch auf, dass die Botschaft so eindeutig doch nicht ist.

Es kann gesagt sein, dass sich die Person gerade in dem Gebäude aufhält, in dem jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert wird; es kann aber auch der Gottesdienst selbst gemeint sein oder die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, die als Kirche bezeichnet wird. Dabei fällt auf, dass es anhand des alltäglichen Sprachgebrauchs gar nicht so einfach ist, zu entscheiden, was mit ‚Kirche‘ nun eigentlich bezeichnet wird.

Entsprechende Erklärungen wird man in theologischer Literatur unter dem Stichwort der ekklesia1 zu suchen haben, weshalb die Lehre von der Kirche auch Ekklesiologie genannt wird. Dieser Begriff entstammt der griechischen Sprache und ist wohl am Besten mit Gemeinschaft bzw. Gemeinde wiedergegeben. Er erwuchs aus dem Selbstverständnis der Jerusalemer Urgemeinde und bezeichnet noch kein Gebäude, den Gottesdienst oder eine Institution, sondern ist religiös-heilsgeschichtlich zu verstehen. Doch im Laufe der Zeit wurde der Begriff der ekklesia erweitert, so dass er im Deutschen mit Kirche wiedergegeben kann. Etymologisch lässt sich dies insofern auch sehen, dass das Wort ‚Kirche‘ einerseits auf das griech. kyrios (Zugehörigkeit zum Herrn als rechtmäßigem Eigentümer) oder andererseits auf das griech. kerygeia bzw. lat. circare (kirchliches Heroldsamt bzw. Versammlungsraum der Gemeinde) zurückgeführt werden kann. Damit sind zumindest etymologisch zwei Kennzeichen von Kirche benannt, die sich so auch in kirchlicher Praxis wiederfinden. Einerseits ist Kirche die Gemeinschaft derjenigen, die an Jesus Christus als den Herrn glauben und andererseits übt Kirche u.a. durch den sonntäglichen Gottesdienst ihr ‚Heroldsamt‘ aus. Damit sie Letzteres tun kann und damit diese Gemeinschaft in der Gesellschaft und der Welt sichtbar ist, haben sich über die fast 2000 Jahre Strukturen und Organisationsformen entwickelt, die sich als verfasste Kirche bezeichnen lassen.


Ein Blick in Kirchenverfassungen bzw. -ordnungen zeigt, dass den (Landes-)Kirchen zunächst ein theologisches Verständnis der ekklesia zugrunde gelegt wird. So wird einhellig – im Sprachgebrauch variiert – festgelegt, dass die jeweilige Landeskirche Teil der einen Kirche Jesu Christi ist, womit der Auftrag der Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat verbunden ist. Letztlich sind alle weiteren Bestimmungen, die durch die Verfassungstexte und Kirchengesetze geregelt werden, an diesen beiden Grundlagen orientiert und sollen so sein, dass sie der Gemeinschaft und dem Amt dienlich sind. In Folge dessen handelt es sich beim Begriff Kirche um einen theologischen aber auch juristischen und institutionellen Begriff.

An dieser Stelle ist es interessant zu bemerken, dass das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (GG) nur an einer einzigen Stelle – in Art. 140 unter Verweis auf die Weimarer Reichsverfassung (WRV) – von Kirche spricht: „Es besteht keine Staatskirche“. Im Weiteren ist von Religionsgesellschaften die Rede. Jedoch wird den Kirchen im genannten Artikel zugleich das Recht eröffnet, ihre Angelegenheiten selbständig in den Schranken des für alle geltenden Gesetzes zu ordnen und zu verwalten, und sie als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt. Diesem eröffneten Recht kamen die Kirchen durch die entsprechenden Kirchenverfassungen und -ordnungen nach.

Wenn wir nun in dieser Rubrik von Kirche reden, wird ein Verständnis von ihr zugrunde gelegt, das sich an dem der sog. ‚verfassten Kirche‘, wie sie oben skizziert wurde, orientiert. Unter der verfassten Kirche bzw. den verfassten Kirchen werden dann diejenigen Formen von Kirchen verstanden, die sich durch Kirchenverfassungen bzw. -ordnungen herausgebildet haben. Dabei ist zunächst im deutschen Kontext an die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), ihre Mitgliedskirchen und zugehörige Einrichtungen wie die Diakonie, sowie deren Kirchenleitung und Organisationsstrukturen gedacht. Weltweit eröffnet sich dann der Blick hinein in den Lutherischen Weltbund (LWB), die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) und den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK).


Neben diesen eher allgemeinen Ausführungen zum Verständnis von Kirche und den Kirchen in Deutschland und der Welt sollen aber auch die konkreten Handlungsfelder von Kirche in den Blick genommen werden, d.h. all dasjenige, das sich mit dem Auftrag der Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat verbindet. Dabei fällt vor allem auf, dass Kirche und Diakonie in ganz vielfältiger Weise handelt, sei es in konfessionellem Religionsunterricht, Altenpflege, Kindergärten, Schulen, Kinder- und Jugendarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Kirchenleitung. All dies sind Aufgaben, die sich mittelbar und unmittelbar aus dem Auftrag ableiten lassen. Es wird spannend sein zu sehen, wie dieser Dienst am Evangelium je einzeln begründet wird und welche Herausforderungen sich in diesen Bereichen in der aktuellen Situation stellen.


Ökumene

Nach den bisherigen Gedanken nochmals kurz zurück zum gedanklichen Einstieg mit der Aussage ‚Ich bin in der Kirche‘. Für die eine ist Kirche der Gottesdienstbesuch und für den anderen ist es nur eines von vielen Gebäuden, das das Bild unserer Altstädte prägt. Letztlich hat jede Person ihre ganz eigenen Gedanken und Ideen dabei vor Augen und jeder weiß, dass sich die kirchliche Gemeinschaft nicht allein auf eine einzige reduzieren lässt.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich auch in der Öffentlichkeit das Bild von Kirche und die Vielfalt der Religionsgemeinschaften mal mehr und mal weniger differenziert präsentieren. Hierbei blicke man wenige Monate zurück, als sich die Medien wie Geier auf die bescheidenen Baumaßnahmen des katholischen Bistums Limburg unter Bischof Franz-Peter Tebartz-van-Elst stürzten. Keine mediale Plattform hat es ausgelassen, über die Misswirtschaft der Kirche zu sprechen. Aber auch die andere Seite wurde mit Aufmerksamkeit gesegnet. Denn ebenso gerne haben sich Kolumnen- und Kommentarschreiber ihre Zeit damit vertrieben, über die revolutionären Neuerungen der evangelischen Kirche hinsichtlich der Orientierungshilfe zum Thema Familie zu berichten.


Dabei darf man die eben gelesenen Zeilen nicht all zu ernst nehmen. Es sollte kurz angedeutet werden, inwiefern sich das öffentliche Bild von Kirche konstituiert und bei jenen beiden Themen war es auffällig, dass bzgl. der römisch-katholischen Kirche sehr oft „nur“ von Kirche gesprochen wurde.2 Hingegen bei der Berichterstattung über die evangelische Kirche diese auch explizit als evangelische Kirche ausgewiesen wurde. Ist dies einer der Gründe für die so oft gehörten Anekdoten, in denen von evangelischen Kirchenmitgliedern erzählt wird, die aufgrund einer missfallenden Aussage des Papstes aus der Kirche austreten? Da beschränkt sich die mediale Berichterstattung schon größtenteils auf die zwei großen Konfessionen und trotzdem sind die Unterschiede nicht deutlich genug - wobei zu fragen ist, ob die evangelische Austrittswelle des „Tebartz-Effekts“3 allein den Medien oder nicht auch dem undifferenzierten Leser zu schulden sei. Eine Antwort darüber vermag und soll an dieser Stelle jetzt nicht gefunden werden.


Es soll nun nicht für bleibende Unterschiede zwischen den Konfessionen plädiert werden. Denn scheinbar fällt eine Unterscheidung bereits bei den zwei großen Kirchen in Deutschland schon schwer genug. Und diese sind schließlich nicht die einzigen, auch wenn jede Gemeinschaft religiöser oder charismatischer Art gerne behauptet die eine und einzige Wahrheit zu besitzen. Das Angebot und die Fülle religiöser Gemeinschaften ist ausufernd. Laut dem religionswissenschaftlichem Medien- und Informationsdienst gibt es derzeit mehr als 80 christliche Gemeinschaften und Gruppierungen in Deutschland - alle anderen religiösen Strömungen noch nicht mitgezählt.4 Da ist es erfreulich, wenn jährlich im Januar die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ gefeiert wird. Doch Gebete allein sind dafür nicht ausreichend, damit die in der Welt lebenden Gläubigen alle eins seien.5 Ein oder zwei ökumenische Kirchentage sind nicht ausreichend, um anschließend von hervorragender ökumenischer Zusammenarbeit zu sprechen. In unsicheren Zeiten, in denen Arbeitslosigkeit, NSA-Affären, Wachstumsgier und was sonst noch alles, die Menschen zum Protest auf die Straße treiben - oder wenigstens ihren Unmut bei facebook kundtun - kann die eine Kirche zumindest Stimme erheben oder den Verunsicherten ein Haus der Sicherheit bieten. Da ist das vielfältig gesäte Angebot der Religionen keine Erleichterung. Ist in solchen Momenten nicht die Einheit der Kirche gefragt? Sicherlich mögen Bestrebungen nach dieser Einheit eines zur Folge haben: Die Aufgabe von Macht- und Geltungsbereichen. Aber das wäre es wert. Von einem gut gelingenden Nebeneinander hin zu einem konstruktiven Miteinander. Auch wenn hinterher von einer hervorragenden ökumenischen Zusammenarbeit gesprochen wird, reichen Kirchentage dafür nicht aus! Sie mögen dem Wunsch vieler Gemeindemitglieder entsprechen, aber bleiben sie das i-Tüpfelchen der ökumenischen Bewegung. Es ist der Spiegel, in den die Verantwortlichen der Kirchen blicken müssten um die Sehnsucht der Gläubigen zu erkennen, wie z. B. das Verlangen Geschiedener an der Abendmahlsfeier teilzunehmen o.ä. Diese blitzlichtartigen Gedanken zu den ökumenischen Beziehungen sind die eine Seite der Medaille. Die Unterschiede zwischen den Kirchen und Konfessionen werden manchmal mit Kopfschütteln und der Frage aufgenommen, warum das denn so schwer sei endlich zueinander zu finden.


Die andere Seite ist aber auch ein kurzen Blick wert, wenn z. B. Protest und Empörung ausbricht, weil in Leipzig erstmalig eine Moschee errichtet werden soll.6 Nachdem das Christentum nun schon Jahrhunderte eine feste Institution in Europa ist, sind ökumenische Bewegungen der Trend und geradezu innovativ. Sobald aber die Lebenswirklichkeit in Deutschland greifbare Formen und Bilder annimmt – sei es auch nur ein klitzekleines Minarett – werden die alten Traditionen des Abendlandes verteidigt. Die christlichen Kirchen begrüßen zwar einen Dialog der Religionen, doch gibt es kirchliche Beiträge um einen selbstverständlichen Umgang mit religiöser Pluralität zu pflegen? Anstatt die banale Angst vor muslimischen Selbstmordattentätern hinzunehmen, könnte die Ökumene Perspektiven und Bildungsangebote entwickeln, mit denen es möglich ist, „erkennen und anerkennen zu können, dass in der fremden Kulturtradition auch Elemente der eigenen“7 und umgekehrt sind. Wenn es in dieser Rubrik um Ökumene gehen soll, dann muss es auch um die aktuellen Fragen der Gegenwart und um die in Deutschland vertretenen Glaubensvorstellungen gehen. Ökumenische Perspektiven sollen sich nicht nur auf die Konfessionsstreitigkeiten beschränken, sondern muss hinsichtlich unseres Lebensumfeldes in dieser Rubrik mindestens eine abrahamitische Ökumene sein.

Das waren nur kurze, wenige Gedanken und Problemanzeigen, die sich in Verbindung mit dem Thema Ökumene ergeben.8 So vielfältig und plural wie sich die ökumenische Bewegung präsentiert, so zahlreich können die mit ihr verbundenen theologischen Konzepte und Auseinandersetzungen sein.


Ausblick

Die bisherigen Gedanken zur Rubrik ‚Kirche und Ökumene‘ haben – in unterschiedlicher Weise – nur kurz und knapp umrissen, welche Themen und Fragestellungen in Zukunft relevant sein können.

Kirchliches und ökumenisches Handeln ist mit andauernden Prozessen verbunden. Die daraus resultierenden Ergebnisse mögen Mittelwege darstellen, da sie zuvor dem Disput verschiedener Meinungen ausgesetzt waren. Diese Rubrik soll einerseits eine Innenperspektive ermöglichen, um ein Verständnis für die Abhängigkeiten und Zwänge institutioneller Formen kirchlichen und ökumenischen Lebens zu entwickeln. Andererseits soll der Austausch und die Diskussion in dieser Rubrik über ein mögliches Verständnis hinausgehen und eventuell Lösungsansätze bieten, die durch eine stärkere Vernetzung von kirchlicher Praxis und wissenschaftlicher Theologie entstehen.

Hierfür freuen wir uns auf einen regen Austausch und sind dankbar für alle Anregungen, die wir von Ihnen und Euch erhalten.


1 Vgl. z. B. Wenz, Gunther: Art. Kirche I. Zum Begriff, in: RGG4, Bd. 4, 2001, 997-999.

2 Vgl. dazu auch Bahr, Petra: Hält das noch?, in: Christ & Welt 44 (2013).

4 Vgl. Aufzählungen des Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienstes e.V., unter http://www.remid.de/index.php?text=info_zahlen

5 Vgl. Joh 17,21.

6 Vgl. Kailitz, Susanne: Putsch am Bau, unter http://www.zeit.de/2013/51/leipzig-moscheebau-proteste

7 Kandil, Fuad: Blockierte Kommunikation: Islam und Christentum. Zum Hintergrund aktueller Verständigungsprobleme, 2008, 120.

8 Für spezifische Definitionen, theologiegeschichtliche oder anderweitig vertiefende Fragestellungen ist die in diesem Zusammenhang die Fachliteratur zu konsultieren.

Vgl. Herms, Eilert: Einheit der Christen in der Gemeinschaft der Kirchen, 1984.; Hüffmeier, Wilhelm: Kirche Jesu Christi. Der reformatorische Beitrag zum ökumenischen Gespräch, 1995.; Kandil, Fuad: Blockierte Kommunikation: Islam und Christentum. Zum Hintergrund aktueller Verständigungsprobleme, 2008.; Kleinschwärzer-Meister, Brigitta u.a.: Art. Ökumene, in: RGG4, Bd. 6, 2003, 507-513.; Neuner, Peter: Ökumenische Theologie. Die Suche nach der Einheit der christlichen Kirchen, 1997.; Schlink, Edmund: Schriften zu Ökumene und Bekenntnis. Ökumenische Dogmatik, 32005.

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Kommentare

Konsensoriertierter Konfessionalist
Vielen Dank für Euren Artikel. Ich freue mich auf die künftigen Beiträge dieser Rubrik und finde, dass hier schon eine Menge spannender Themen angerissen wurde.

Allein der Abschnitt zur Ökumene wirft bei mir Fragen auf: Sicherlich ist eine Einheit der Kirche wünschenswert, die auch beispielsweise in den sakramentalen Vollzügen (Stichwort: Abendmahlsgemeinschaft) sichtbar und spürbar wird. Von protestantischer Seite, das muss man aber auch sagen, sind hier die notwendigen Rahmenbedingungen ja bereits geschaffen - die katholische Seite bewegt sich allerdings nicht wirklich vom Fleck. Man muss wohl kritisch anmerken, dass die Verantwortung für das Stocken ökumenischer Verständigung spätestens seit der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre sehr einseitig bei der römisch-katholischen Hierarchie (insbesondere, aber leider auch nicht nur in ihren höheren Ebenen) liegt, welche teilweise systematisch Ansätze ökumenischer Zusammenarbeit torpediert.

Das führt zum zentralen Aspekt: Der Artikel suggeriert etwas, dass die Probleme der Ökumene nur an kirchlichem "Festkrampfen" an einmal etablierter Macht liegen. Aber man muss sich realistischerweise schon die Frage stellen, ob diese institutionalisierte Macht der Kirchen gegeneinander und den Staat -- jenseits leider nicht zu leugnender Exzesse! -- nicht verteidigt werden muss, um die Identität, Tradition und Frömmigkeitspraxis davor zu schützen, in einer Art einheitlichem "Staatskatholizismus" aufgehoben zu werden (das müsste man, Nebenbemerkung, auch bei der Einrichtung islamisch-theologischer Fakultäten berücksichtigen).
Ein organisatorisch-institutionelles Zusammengehen mit der katholischen Kirche z.B. wäre für mich als Lutheraner nur zu diskutieren, wenn Bestandsschutz für die Frauenordination, unsere Fakultäten mit ihren Forschungsschwerpunkten (Reformationsgeschichte!) und auch z.B. unsere spezialisierten diakonischen Einrichtungen gesichert wäre. Das kann ich realistischerweise nicht erwarten...
Denn selbst wenn Rom sich nach Modell der römisch-orthodoxen Kirchen auf verheiratete Pfarrer etc. einlassen würde -- der Staat würde wohl die Chance nicht entgehen lassen, bezüglich der Theologie etc. die Hälfte einzusparen. (Ob der ökonomischen und weltpolitischen Machtverteilung bin ich relativ sicher, welche Hälfte vom Rotstift betroffen würde.)

Meine ökumenische Konzeption tendiert daher dahin, anzunehmen, dass den einzelnen Konfessionen jeweils spezifische Apekte des Allgemein-Christlichen zur besonderen Pflege übertragen sind, die sie in die ökumenische Gemeinschaft einzubringen haben. Dies würde dann eine geordnete Einheit "in versöhnter Verschiedenheit" nahelegen, nicht notwendigerweise ein Aufgeben der konfessionellen Eigenarten oder ein organisatorischer Zusammenschluss.

Freilich ist das faktisch ein Umsprechen des protestantischen Berufsgedankens auf die Ekklesiologie... ob eine katholische Theologie das einfach übernehmen kann, ist fraglich. Aber meines Erachtens bietet das II. Vatikanum hier produktive Ansätze.

Somit bleibt zunächst praktisch: Explizite, herzliche Einladung zum Abendmahl an alle Katholikinnen und Katholiken. Und dass wir die Kreise in anderen Kirchen (und Religionen) nicht hängen lassen dürfen, sondern sie im Gegensatz effektiv unterstützen müssen, mit denen eine produktive Arbeit und ein bereichernder Austausch möglich sind -- und die teilweise dafür Probleme mit den Hardlinern in den eigenen Reihen bekommen.

Beste Grüße!
31.01.2014 - 11:32 Uhr