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Lebendige Konfessionskulturen I: Lutherische Identität

Eine konfessionelle Standortbestimmung von Jan-Philipp Behr


Einleitung – die Pluralität des Luthertums und die notwendige Aufgabe der lutherischen Identitätsklärung

Einmal im Jahr tagt die EKD-Synode, in Verbindung mit ihr tritt ebenfalls die Generalsynode der VELKD zusammen, deren Synodale gleichzeitig Mitglieder der EKD-Synode sind. Nun könnte man meinen, dass sich hier kirchliche Doppelstrukturen finden, doch kommt darin auch zum Ausdruck, dass die EKD ein Kirchenbund verschiedener konfessioneller Kirchen ist, die sich dann wiederum auch selbst steuern. Doch was ist das Spezifische der lutherischen Kirchen, was ist es, das das Luthertum prägt? Denn nur, wenn es so etwas wie eine spezifisch lutherische Prägung gibt, scheint es mir gerechtfertigt, auch eigene Verwaltungsapparate zu unterhalten.

Vorweg sei bemerkt, dass es das Luthertum aus historischer Perspektive als monolithischen Block nicht gibt. Das wird heute in Deutschland z.B. daran deutlich, dass nicht alle lutherischen Landeskirchen Gliedkirchen der VELKD sind, das wird darüber hinaus historisch deutlich im Ringen um die Konkordienformel als „Auslegung der Confessio Augustana von 1530 im Lichte derjenigen Fragen, die sich innerhalb des Luthertums nach Luthers Tod und im Gefolge der Haltung Melanchthons als umstritten und klärungsbedürftig erwiesen hatten.“1 Dass der Konkordienformel dies nicht gelingt, wird heute wiederum deutlich in ihrer unterschiedlichen Rezeption in den heutigen lutherischen Landeskirchen. Darüber hinaus darf dann auch nicht die unterschiedliche Prägung des weltweiten Luthertums vergessen werden – verwiesen sei im Vergleich zum deutschen Luthertum auf das eher hochkirchlich geprägte schwedische.2 Wenn ich also im Folgenden von dem Luthertum schreibe, halte ich damit mein Verständnis „des“ Luthertums fest, über das sich zweifellos streiten lässt.

Mag es aufgrund der oben beschriebenen Pluralität schwierig erscheinen, eine Antwort auf die Frage nach lutherischer Identität zu finden, so kann die Suche nach einer Antwort doch nicht ausbleiben, wenn Verständigung mit anderen Kirchen gelingen soll. Denn erst auf der Basis einer konfessionellen Selbstverständigung über spezifische Theologumena und ihre Grundanliegen können ökumenische Gespräche geführt werden. Dabei ist mitgesetzt, dass die reformatorischen Konfessionen Ausdruck bestimmter Frömmigkeitskulturen, theologischer Grundsatzentscheidungen und Grundmotive sind. Weil ich meine, dass sich diese bestimmten Kulturen auch heute noch finden und Gemeindeglieder weiterhin in ihnen verankert sind – man bedenke nur, dass sich ein lutherischer oder reformierter Christ im Gottesdienst der anderen Konfession zunächst fremd fühlen wird – und mithin die unterschiedlichen Traditionsformen heute noch ein Anrecht haben, soll hier ein Versuch unternommen werden, zu bestimmen, was das Lutherische prägt. Freilich kann dies nur ein Antwortversuch sein. Die spezifisch lutherische Prägung zeigt sich dabei in den vier Exklusivartikeln, die zwar von den reformierten Kirchen geteilt werden, die dann aber wiederum ihre spezifische Explikation in den lutherischen Bekenntnisschriften erhalten. Es finden sich weiter besondere Identitätsmerkmale, die wiederum auf einem spezifischen „Organisationsmoment“ – der Fähigkeit zur Unterscheidung, ohne zu trennen – beruhen.


  1. Die Exklusivartikel und das lutherische Bekenntnis

Es wird verwundern, dass hier zunächst die Exklusivartikel als Beschreibungen von lutherischer Identität genannt werden, sind sie doch theologische Grundgedanken der unterschiedlichen reformatorischen Strömungen, aus denen sich dann sowohl das Luthertum als auch das Reformiertentum entwickelten. Diese Exklusivartikel erhalten jedoch im lutherischen Bekenntnisbuch ihre Zuspitzung, werden als Mitte der Schrift erkannt und im Bekenntnis festgeschrieben, das sich immer wieder an der Schrift zu bewähren hat. Aber zunächst zu den Exklusivartikeln:

Grundüberzeugung ist zunächst, dass Gott zum Heil des Menschen handelt. Dieses Heilshandeln Gottes geschieht allein durch Jesus Christus (solus Christus). Nur Christus in Person ist das Heil für den Menschen. Dieses Heil wird dem Menschen durch die ausschließliche Initiative Gottes zugeeignet (sola gratia). Diese Zuwendung Gottes erfolgt gratis als Zurechnung der dem Menschen fremden Gerechtigkeit Gottes, die durch den Opfertod Christi objektiv3 bewirkt wurde, wobei der Mensch zeit seines Lebens aufgrund der Erbsünde Sünder bleibt und auf seine Vollendung wartet (simul iustus et peccator). Mitgeführt ist damit, dass alle Programme, Konzepte oder Ideologien, die eine Selbstbefreiung des Menschen auf der Grundlage seines eigenständigen Handelns verfolgen, zurückgewiesen werden. Daraus lässt sich dann auch ableiten, dass lutherische Anthropologie von einem pessimistischen Grundzug durchzogen ist.4

Das Heilshandeln Gottes kann nur im Glauben angenommen werden (sola fide). Diese Grundkategorie menschlicher Existenz ist nicht ein mentaler oder intellektueller Akt, sondern eine den ganzen Menschen umfassende und durch Gottes Handeln am Menschen bedingte Lebenshaltung, die dem Handeln Christi korrespondiert.

Das heilvolle Handeln Gottes als Rechtfertigung des Gottlosen um Christi willen aus Gnade durch den Glauben wird erkannt allein aus der Heiligen Schrift (sola scriptura). Sie ist daher keiner Ergänzung bedürftig. Christus als Mitte der Schrift ist gleichsam ihr organisierendes Zentrum und der hermeneutischer Schlüssel zur Schrift. Das sola scriptura meint nun aber auch nicht sine traditione. Diese kann die Schrift nicht ergänzen – dies wäre letztlich auch eine Überforderung der Tradition –, sofern sie aber der Rechtfertigung nicht widerspricht bzw. die Rechtfertigung zur Geltung bringt, kann sie der Aneignung der Heilsbotschaft dienen. Die Schrift ist insofern alleinige Norm der Verkündigung und der Lehre der Kirche; sie ist die normende Norm (norma normans).

Die lutherischen Bekenntnisschriften wiederum halten die Rechtfertigung des gottlosen Sünders als Mitte der Schrift fest und haben somit eine hermeneutische Hilfsfunktion für die Schrift (und die altkirchlichen Bekenntnisse),5 indem sie Hilfskriterien für die rechte bzw. falsche Verkündigung an die Hand geben. Die Bekenntnisschriften, indem sie als norma normata von der Schrift her zu normieren sind, lassen sich prinzipiell auch wieder relativieren. Die lehrmäßig verfassten Bekenntnisse, die zudem ein Mittel zur Wahrung kirchlicher Gemeinschaft darstellen, haben einen kirchenordnenden Charakter: Verkündigung, Lehre, Sakramentsverwaltung und Sozialgestalt der Kirche sind an ihnen auszurichten. Mit der Aufnahme der altkirchlichen Bekenntnisse bekennen lutherische Kirchen die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, als deren Teil sie sich verstehen.

Ersichtlich wird daraus, dass die Bekenntnisse als Explikation der Exklusivartikel ein Bemühen der Kirche um die Wahrheit der Verkündigung darstellen. Dieses Bemühen, also die Theologie, nimmt ein spezifisch lehrhaftes Profil an, das dann als lutherisches Proprium gelten kann. Von ihren reformatorischen Vätern her ist das Luthertum daher nicht ohne Theologie zu denken. Besondere lutherische Theologumena sind von daher im Folgenden darzustellen.


  1. Identitätsmerkmale in Zuordnungen

Über den articulus stantis et cadentis ecclesiae [d.h. den Rechtfertigungsartikel, T.G.] gibt es nun weitere Theologumena, die ich als spezifisch lutherisch betrachten würde. Sie können im Folgenden lediglich genannt werden, dabei ist natürlich zu berücksichtigen, dass die nachfolgende Liste natürlich ergänzt oder auch zusammengestrichen werden kann. Da das Luthertum ein in sich plurales ist, kann dies nicht weiter verwundern.

Zunächst nenne ich die Weltverantwortung des Menschen:6 Der Menschen ist nicht der Welt enthoben, sondern auf die Welt gewiesen, weil er hier seiner Bestimmung nachkommen und Verantwortung für die Welt übernehmen kann, die trotz ihrer Ambivalenzen und ihrer Endlichkeit als grundsätzlich gut beschrieben wird. Die weltliche Verantwortung wird verstanden als gehorsames Mithandeln an Gottes Handeln in der Welt, wobei eine Verwirklichung des Reiches Gottes oder ein Erweis der eigenen Erwählung ausgeschlossen ist. Letztlich geschieht Nachfolge Christi, zu der der Mensch erst durch die Rechtfertigung befähigt wird, durch verantwortliches Handeln in der Welt. Hierfür ist dem Christenmenschen die Unterscheidung von geistlichem und weltlichem Regiment gegeben, wobei beide Regimenter nicht getrennt werden können. „Gegen klerikale oder theokratische Bevormundung werden [...] Vernunft, Familie und Beruf, staatliche Gewalt und Recht in ihre Weltlichkeit freigegeben.“7 Das ist jedoch nicht als eine Eigengesetzlichkeit oder Verabsolutierung zu verstehen, denn im weltlichen Regiment regiert Gott durch das Gesetz, um Ordnung herzustellen, im geistlichen durch das Evangelium, so dass die gesamte Wirklichkeit in Gottes erhaltendes Wirken eingebunden ist.

Mit dem Zusammenhang von Gesetz und Evangelium ist nun ein weiteres lutherisches Identitätsmerkmal angesprochen: Gesetz und Evangelium werden innerhalb des Wortes Gottes unterschieden, nicht getrennt. Es handelt sich hierbei nicht um eine andere Möglichkeit des Wortes Gottes, eine Alternative, weil Gesetz und Evangelium sich nicht ersetzen können. Beides ist an den jeweils rechten Ort zu bringen, um damit letztlich die Reinheit des Evangeliums, den Gnadenakt Gottes zur Darstellung zu bringen.8

Dieser Gnadenakt Gottes, das Heil für den Menschen, wird ihm in Wort und Sakrament angeboten. CA VII nennt als notae ecclesiae das rein gepredigte Evangelium und die rechte Verwaltung der Sakramente.9 Verkündigung und Sakramente werden hier zu- und nebeinandergeordnet. Keinesfalls werden die Sakramente der Predigt untergeordnet, so dass eine bloße Wortfrömmigkeit ausgeschlossen wird.

Sodann ist m.E. auch das ministerium ecclesiasticum a Deo institutum und das allgemeine Priestertum der Getauften, das im Glauben angeeignet wird, zu nennen. Das Amt der Kirche ist nach CA V von Gott gestiftet,10 es lässt sich auch aus einer Delegation der Gemeinde herleiten, wobei sich beide Stiftungstheorien nicht ausschließen. Das lutherische Amt tut mit der Verkündigung und der Sakramentsverwaltung heilsnotwendige Dinge und kann damit – freilich ist das zugespitzt – auch als Hilfsmittel der Heilsaneignung verstanden werden. Dieses Amt ist kein Amt des Herrschens, es begründet keinen besonderen religiös-ontologischen Status; es dient vielmehr der Gemeinde, indem es für die Gemeinde die Dinge in rechter Ordnung tut, die auch alle anderen aufgrund ihrer Taufe tun können. Insofern dient das Amt der Gemeinde gerade darin, dass es dafür sorgt, dass ein allgemeines Priestertum erhalten bleibt. Das Amt stellt damit den Garanten für das Priestertum aller Gläubigen, die nicht zuletzt die Verkündigung der Amtsträger zu beurteilen, dar. Lutherische Amtstheologie ist damit von den Grundsätzen bestimmt, dass die Leitung der Kirche und die Verantwortung der Apostolizität ihrer Lehre der Kirche als ganzer und nicht allein dem Klerus zukommt und dass auf der anderen Seite die öffentliche Evangeliumsverkündigung in Wort und Sakrament den berufenen Amtsträgern in der Kirche obliegt.


  1. Notwendigkeit zur Unterscheidung und Unmöglichkeit der Trennung als Nachvollzug der Inkarnation

Lutherische Theologie führt als Grundzug immer eine soteriologische Pointe mit. Die Theologumena zielen auf die Rettung des Menschen und auf die Reinheit des Evangeliums. Letzteres wird z.B. durch die Unterscheidung von Gesetz und Evangelium markiert, indem so nämlich das Heil frei von aller Gesetzlichkeit gehalten wird. Dem korrespondiert die Unterscheidung von Glaube und Liebe. Der Glaube wiederum stiftet zur Liebe an, ihm folgt die Liebe automatisch, so dass eine Trennung nicht möglich ist. Wohl aber muss beides unterschieden werden, um den Glauben nicht zu vergesetzlichen – auch wenn die Liebe nichts anderes ist als der zum Nächsten gewendete Glauben.11 Die Unterscheidung von geistlichem und weltlichem Regiment bewahrt dabei vor einer politischen Überfrachtung des Evangeliums.

Auch wenn Gottes Gnade frei ist und der Geist wirkt, wann und wo er will, bindet sich die Gnade aber aus seelsorgerlichen Gründen an äußere Dinge, denn der Glaube braucht einen Grund, an den er sich nicht nur in Anfechtungen halten kann. Lutherische Theologie argumentiert hier glaubensphänomenologisch, es geht ihr um die Heilsgewissheit. Der Geist und Christus binden sich daher an äußere Dinge und lassen sich sinnlich erfahren – in Wort und Sakrament. Damit ist dann auch die Zentralstellung des Gottesdienstes markiert, weil hier Gott selbst den Menschen mit kirchlichen Vollzügen anspricht und insofern hier die eine, heilige, katholische und apostolische – oder kurz: die wahre – Kirche sichtbar wird. Eben darum gehört lässt sich die unsichtbare Kirche als wahre nicht von der sichtbaren Kirche trennen, auch wenn beide Momente wohl zu unterscheiden sind. Der Gottesdienst als Heilsvergewisserung verbindet sich dabei mit einer Hochachtung der Kirchenmusik.12

Zu sehen ist also eine Spannung zwischen freier Geistwirkung und äußeren Vollzügen, die dann zwar eine Unterscheidung gebietet, aber eine Trennung unmöglich macht. Dies kann beispielsweise am Abendmahl verdeutlicht werden: Die Konkordienformel insistiert auf einer doppelten Nießung des Sakramentes. Für den heilsamen Empfang des Sakramentes sei die manducatio spiritualis unabdingbar, diese geschehe aber z.B. auch durch das Hören der Predigt. Aufgrund der wörtlich zu interpretierenden Einsetzungsworte wird Christi Leib jedoch auch mündlich auf eine übernatürliche und unbegreifliche Weise genossen.13 Manducatio oralis und spiritualis sind nun zwar zu unterscheiden, können aber nicht getrennt werden. Dem entsprechen nun auch die Unterscheidungen von Sünder und Gerechtfertigtem, Gesetz und Evangelium, Glaube und Liebe, Deus revelatus und Deus absconditus, Person und Werk, innerem und äußerem Menschen, sichtbarer und unsichtbarer Kirche und weiteren Momenten. Diese Unterscheidungen, die keine Trennung meinen, weil sie in ein Zugleich eingebunden sind, scheinen mir insofern ein grundlegendes „Organisationsmoment“ bzw. „Strukturprinzip“ lutherischer Theologie zu sein,14 das zwar erst aus der Anschauung des Materials entsteht, aber von dort auch in gewisser Weise als Prämisse gelten kann.

Lutherische Theologie kann nun m.E. nicht anders als diese Unterscheidungen herauszuarbeiten und dabei gleichsam ihre jeweiligen Zusammengehörigkeiten zu verdeutlichen, weil sie damit die Inkarnation nachvollzieht: Der transzendente Gott kommt in der konkreten Gestalt Jesu von Nazareths in die Welt. In ihm kommt es zu einer Neudefinition von Mensch und Gott, indem in Jesus Christus Gott und Mensch unzertrennlich sind.15 Lutherische Christen „betonen [insofern] das Irdische der Menschwerdung.“16 Daraus folgt dann aber auch, dass ohne den Geist das Wort nur Buchstabe, das Brot nur Brot, das Wasser nur Wasser ist, aber ohne die irdischen Elemente ist es eben auch nicht der inkarnierte Christus. Das Luthertum vollzieht so die Inkarnation als die Bewegung Gottes hin zum Menschen nach. Dieser Nachvollzug stellt nun m.E. eindrücklich dar, dass Gott in Jesus Christus, der Gott-mit-uns, der Immanuel ist, der sich als Gott erniedrigte und das Kreuz für seine Schöpfung trug.

Jan-Philipp Behr ist Student der ev. Theologie in Göttingen.

1 Thomas Kaufmann, Universität und lutherische Konfessionalisierung. Die Rostocker Theologieprofessoren und ihr Beitrag zur theologischen Bildung und kirchlichen Gestaltung im Herzogtum Mecklenburg zwischen 1550 und 1675, Gütersloh 1997, 612.

2 Der Lutherische Weltbund hebt dies in seinem Strategiepapier 2012-2017 ebenso hervor: „Die lutherische Identität ist [...] immer geprägt von den vielfältigen Kontexten und Beziehungen, in denen sie sich bewegt, und findet in unterschiedlichen Teilen der Welt ihre je eigene Gestalt.“ (LWB-Strategie 2012-2017, 8). Die LWB-Strategie ist einzusehen unter: http://www.lutheranworld.org/sites/default/files/LWF-Strategy-2012_2017-DE-low.pdf (zuletzt eingesehen am 11.12.2013).

3 Über die Objektivität des durch Christus bewirkten Heils lässt sich gewiss streiten. Festzuhalten ist jedenfalls, dass diese Objektivität nichts nützt, wenn das Heil nicht ergriffen wird.

4 Dass dies nicht nur Theorien sind, sondern diese eben auch den gottesdienstlichen Vollzug betreffen, wird wunderbar und m.E. genial von lutherischen Kirchenliedern eingefangen. Für den pessimistischen Grundzug lutherischer Anthropologie sei nur auf den Choral „Durch Adams Fall ist ganz verderbt“ hingewiesen. Es ist umso bedauerlicher, dass dieser Choral nicht mehr in den aktuellen evangelischen Gesangbüchern zu finden ist.

5 Der Lutherische Weltbund benennt in seiner Verfassung unter „II. Lehrgrundlage“ die drei ökumenischen Symbola und die lutherischen Bekenntnisschriften, v.a. die CA invariata und den Kleinen Katechismus Luthers, als „zutreffende Auslegung des Wortes Gottes“ (http://www.lutheranworld.org/sites/default/files/Constitution%20DE%20final_0.pdf; zuletzt eingesehen am 28.11.2013).

6 Vgl. auch die Vision des Lutherischen Weltbundes: „Befreit durch Gottes Gnade, eine Gemeinschaft in Christus, die gemeinsam lebt und arbeitet für eine gerechte, friedliche und versöhnte Welt.“ (LWB Strategie 2012-2017, 9).

7 Michael Plathow, Lutherische Lehre, in: Ders., Lutherische Kirchen (Bensheimer Hefte 107), Göttingen 2007, 58-70, hier: 66.

8 Vgl. dazu auch Gerhard Ebeling, Luther. Einführung in sein Denken, Tübingen 41981, 120-136.

9 Vgl. BSLK, 61.

10 Vgl. BSLK, 58.

11 Vgl. Wolfgang Trillhaas, Dogmatik, Berlin 41980, 484.

12 Die LWB Strategie 2012-2017, 9 formuliert: „Das Leben in Gemeinschaft [mit Gott und miteinander] wird vor allem durch Gottesdienst erhalten. Die Gemeinschaft wird durch gemeinsame Verkündigung des Evangeliums, durch Gebet und Singen sowie durch das Teilen der Sakramente und die Anerkennung des Dienstes freudig gelebt.“

13 Vgl. BSLK, 990-997.

14 Michael Plathow, Lutherische Lehre (wie Anm. 6), 60-61 fasst dies m.E. gut zusammen: „Lutherische Lehre – wobei Verkündigen und Lehren wie in den biblischen Zeugnissen untrennbar mit einander verbunden sind – [...] expliziert sich in der Kraft des rechten Unterscheidens, ohne zu trennen: die konträre Disjunktion zwischen Gott und Abgott, Christus und Teufel, Glaube und Unglaube, Sünde und Gnade, Geist und Fleisch, Leben und Tod einerseits und die Distinktion zwischen Gott und Mensch bei ihrem Einssein in Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, die Distinktion zwischen Gottes Handeln und menschlichem Tun bei der Verbundenheit in der menschlichen Person ,vor Gott‘ und ,vor der Welt‘, die Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium in der Einheit des Wortes Gottes, die Trennung zwischen Sünder und Gerechtfertigten [sic!] bei ihrer Verbundenheit im ,zugleich Sünder und Gerechter‘.“

15 Dieses Grundanliegen lutherischer Christologie, dass Gott und Mensch in Jesus Christus eine Person ist, ist nun kein schnödes Abstraktum, sondern gehört zum gesungenen Glauben. Deutlich wird dies im Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“. Hier identifiziert Luther kühn den Herrn Zebaoth mit Jesus Christus: „Mit unsrer Macht ist nichts getan, / wir sind gar bald verloren; / es streit’ für uns der rechte Mann, / den Gott hat selbst erkoren. / Fragst du, wer der ist? / Er heißt Jesus Christ, / der Herr Zebaoth, / und ist kein andrer Gott, / das Feld muß er behalten.“ (EG 262,2).

16 LWB Strategie 2012-2017, 8.

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Kommentare

Carl Bahrt
Kommentar aus Spaß:
Das ist alles sehr hübsch und klingt sogar gelehrt. Am Ende steht garantiert auch ein prononciert lutherisches Dasein (evtl. mit betontem e). Aber was hat das eigentlich (noch) mit der Lebenswirklichkeit der Menschen heute zu tun?
"Die" reformatorische Erkenntnis, die Rechtfertigung allein aus Glauben - wem sagt das etwas? Wer erfährt denn heutzutage ein "Sünder-Sein"? Und sucht verzweifelt nach Auswegen?
Wer versteht eine Erbsünde (CA II) ohne jeglichen logischen Grund? (Gibt es den limbus infantium - also irgendwie doch nicht so richtig Erbsünder, oder doch?)
Oder: Frage einmal Gemeindemitglieder (selbst Kirchenvorsteher usw.), wie Christus beim Abendmahl anwesend ist... Auf die Antworten bin ich gespannt. Reformierte Antworten sind Dir garantiert, ebenso wie vielleicht römisch-katholische. Lutherische wohl am wenigsten. "In, mit und unter". Aha.
Welcher logisch denkende Mensch glaubt denn (z.B.) an eine "Trinität", an "Jungfrauengeburt", usw. usf.
"Geh nicht zum Abendmahl, kleiner Kevin, das wäre eine manducatio impiorum und du würdest Leib und Blut Christi zum Gerichte empfangen! Zwar bist Du getauft, aber das wird eigentlich erst mit der Konfirmation so richtig."
Will sagen: graue Theorie, aber was folgt daraus (oder forderst Du daraus) für die Praxis? Nur wer "lutherisch" glaubt, wird selig?
Sind nicht alle Kennzeichen dessen, was das Lutheraner-Sein ausmacht, Adiaphora?
07.01.2014 - 15:42 Uhr