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Das Schlechteste aus beiden Welten?

oder: Kleine Typologie des Traditionsbezugs

Vorbemerkung: Bevor nach Weihnachten die Reihe „Lebendige Konfessionskulturen mit einem Fokus auf gelebter Frömmigkeit startet, möchte ich hier noch versuchen, ein wenig Theoriearbeit vorzustellen und damit eine Typologie zu entwerfen, die bestimmte theologische Stile mit Blick auf Art und Verfahren ihres Traditionsbezugs charakterisiert.

Folgender Text will durch die Konstruktion zweier überspitzter, gegensätzlicher Idealtypen – „orthodoxe“ (d.h. rechtgläubige) und „liberale“ (d.h. freiheitliche) Theologie – gerade dazu anregen, bei konkreten Beispielen nach dem Mischungsverhältnis orthodoxer und liberaler Elemente zu suchen. Für keine historische oder aktuelle Konzeption oder Persönlichkeit dürfte folglich eine reine Charakterisierung als ausschließlich „orthodox“ oder „liberal“ plausibel sein.1 Insbesondere will dieses Raster aber dazu ermuntern, die eigene Theologie mit Hilfe dieser Typen einer kritischen Selbstprüfung zu unterziehen.2

 

Bevor über die Leistungskraft dieser Erschließungskategorien zu sprechen ist, sollen beide Idealtypen vorgestellt werden:

Orthodoxe“ Theologie ist getragen vom Glauben an die prinzipielle Überlegenheit, harmonische Einheit und ungebrochene Gegenwarsrelevanz der Tradition. Die Vergangenheit bekommt in dieser Sicht ein starkes Übergewicht gegenüber der Gegenwart. Ihr Blick ist spezifisch unhistorisch, weil sie von der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen ausgeht. Allerdings spricht auch orthodoxe Theologie, die nicht völlig funktionslos sein möchte, die Botschaft ihrer Tradition in die Gegenwart hinein. Zusätzlich sind die historisch gewachsenen Traditionsbestände faktisch keineswegs so durchweg einheitlich, wie es von der orthodoxen Theologie her im Prinzip gefordert wäre. Daher ist für das Gelingen orthodoxer Theologie oft eine massive intellektuelle Anstrengung nötig: die Arbeit, widersprüchliche Traditionsbeständen untereinander auszugleichen und möglichst unverkürzt in die Gegenwart hinein zu übersetzen. Dies führt einerseits zum typisch gelehrt-spitzfindigen Profil orthodoxer Theologie, andererseits ist diese Arbeit selten ohne ein gewisses Maß an kreativer Umdeutung zu leisten, die bis zur Unaufrichtigkeit gehen kann. Berücksichtigt man dies, so liegt die grundlegende Widersprüchlichkeit orthodoxer Theologie darin, dass die starke, ja exklusive Bindung an die Tradition als gegenwartsrelevanter Größe gerade die Widersprüchlichkeit dieser Tradition(en) in den Blick bringt und eine gewisse Freiheit im Umgang mit ihr erzwingt – was wiederum durch umfassende Gelehrsamkeit und intellektuelle Begriffsarbeit vor ihr gerechtfertigt werden muss.

Liberale“ Theologie ist dagegen getrieben von einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber der Tradition – insbesondere, was deren Gegenwartsrelevanz betrifft. Sie betrachtet die Tradition als historisch-gewachsen und urteilt, dass in ihr ein zeitlos gültiger Kern unter zeitgebundenen Schalen verborgen liegt: Diesen Kern gilt es zu heben. Tiefe Erkenntnis von bleibender Geltung ist vermischt mit bloß historischen Elementen, welche ihr Verständnis heute verdunkelt. Kritik der Tradition im Namen der aktuellen Situation ist daher ein Gebot intellektueller Redlichkeit. Dafür greift liberale Theologie in der Regel zu einem einheitlichen Kriterium, das ermöglicht, zwischen bleibender Wahrheit und entstellender Hülle in den Traditionsbeständen zu unterscheiden.3 In diesem Vorgehen zeigt sich ihre Freiheit im Umgang mit der Tradition: die Gegenwart und ihre Interessen begründen den bleibenden Wert der Vergangenheit. Ein kraftvoller Zugriff ausgehend von einem oder wenigen Leitgedanken gibt liberaler Theologie in der Regel eine eindrucksvolle Geschlossenheit und klare Strukturen. Der mühsame Ausgleich widersprüchlicher Traditionsbestände ist nicht nötig – entweder ist eine der Positionen veraltet oder es sind mit der Ausgangsfrage auch gleich alle Alternativen überholt. Allerdings liegt auch diesem Theologietypus eine grundsätzliche Widersprüchlichkeit zugrunde, da entweder die Tradition an einem ihr fremden Kriterium gemessen wird (was letztlich immer fragwürdig bleibt) oder das Kriterium aus der Tradition selbst gewonnen werden muss, womit die liberale Theologie zumindest für dieses Kriterium selbst ihre charakteristische Skepsis aufgeben muss.


Nun lassen sich zusätzlich gewisse Begleitaspekte benennen, mit denen diese theologischen Idealtypen nicht notwendig verbunden, aber sozusagen wahlverwandt sind:

Orthodoxe Theologie hat, schon aufgrund der massiven Traditionsbestände, die verarbeitet werden müssen, aber auch aufgrund der komplexen Methodik von Abwägung und Ausgleich, einen Hang zum Elitären und Akademischen. Konkrete Interpretationsprobleme bezüglich der Tradition werden hier über (häufig ebenfalls traditionelle) Autoritäten entschieden. Damit einhergehend entwickelt sie leicht einen autoritären Zug und in der Folge – insbesondere wenn es um den „Schutz“ der Tradition und deren Geltung geht – einen gewissen Hang zur Gewalt gegen Andersdenkende.

Im Gegensatz dazu hat liberale Theologie, zumindest mittelfristig, eine Tendenz zum Antiintellektualismus, indem Lebensweltbezug und Aktualität, Entschiedenheit, Klarheit wichtiger werden, die Traditionsbestände aber immer weiter zurückgestutzt und viele Interpretationstechniken kaum mehr gepflegt werden. Probleme werden hier mit dem Pathos intellektueller Wahrhaftigkeit zu Gewissensentscheidungen hochstilisiert. Damit verbindet sich leicht ein revolutionärer Gestus, der indirekt ebenfalls zur Befürwortung von Gewalt gegenüber Andersdenkenden, den „Rückständigen“, führen kann.


Wie lassen sich diese beiden theologischen Idealtypen kombinieren und in ihren Stärken so fruchtbar machen, dass die Schwächen und Selbstwidersprüche möglichst wenig zum tragen kommen?

Ein verfehlter Versuch liegt in dem vor, was ich „fundamentalistische“ Theologie nenne:

Mit der orthodoxen Theologie hat sie die herausgehobene Stellung der Überlieferung und damit den Vorrang der Vergangenheit vor der Gegenwart gemeinsam. An die Stelle der mühsamen, weil intellektuell anspruchsvollen Interpretations- und Harmonisierungsarbeit tritt bei fundamentalistischen Theologen aber der selektiv-kraftvolle Zugriff, den sie mit der liberalen Theologie gemeinsam haben. Wenige, prägnante und oft stark vereinfachende Leitgedanken werden herausgegriffen, um als Kriterien von wahr und falsch, gut und böse zu dienen. Die begünstigenden Faktoren für Gewalt – autoritärer Grundzug und revolutionärer Gestus – potenzieren sich hier, während mäßigende Faktoren entfallen: sowohl die Gelehrsamkeit, abwägende Behäbigkeit und unvermeidbare „Trickserei“ der orthodoxen, als auch die intellektuelle Redlichkeit, freiheitliche Prägung und wache Zeitgenossenschaft der liberalen Theologie gehen verloren.4

Statt diesem Irrweg ist daher eine andere Vermittlungsform zu suchen. Man könnte hier von einer „reformerischen“ Theologie sprechen – sofern man sich des möglichen Missverständnisses bewusst ist, reformerisch vorschnell gleich reformatorisch zu setzen.5

Vom orthodoxen Theologietypus sind wert, in das Selbstbild eines reformerischen Theologen übernommen zu werden:

  • Leitbild: Die Gelehrsamkeit. Auch was der Kritik unterworfen werden soll, ist am Besten aus erster Hand zu kennen und gründlich zu untersuchen.

  • Darstellung: Die Fairness, die Vergangenheit zunächst auch als Anfrage gelten zu lassen und nicht prinzipiell als primitiv abzuqualifizieren.

  • Ethos: Die Hochschätzung der Tradition gegenüber, deren Potentiale immer wieder neu gehoben werden wollen, und im Gegenzug Demut bezüglich der eigenen theologischen Arbeit.

Vom liberalen Theologietypus dagegen sollte man sich zum Vorbild nehmen:

  • Leitbild: Die intellektuelle Redlichkeit, welche eigene Unsicherheiten, willkürliche Entscheidungen und Widersprüche der Tradition nicht zugunsten größerer Geschlossenheit verschleiert.

  • Darstellung: Die Bemühung um allgemeine Verständlichkeit und wo möglich den Verzicht auf binnentheologische bzw. -akademische Sprache.

  • Ethos: Die kritische Freiheit im Umgang mit der Tradition, die sie erst wirklich gegenwartsrelevant werden lässt und auch selektive, also bewusst auswählende Bezugnahme erlaubt.

Es ist zu erwarten, dass bei einer solchen „Konfiguration“ auch die Potentiale gestärkt werden, die eine Haltung der Gewaltlosigkeit begünstigen und Konflikte eher in Form des gelehrten Diskurses lösen lassen, statt die Eskalation in Machtproben zu suchen.


Als letzte Bemerkung sei eine Vermutung erlaubt: Wahrscheinlich ist es aufgrund der grundsätzlich größeren Flexibilität des liberalen Typus leichter, eine solche Vermittlung über die Integration „orthodoxer“ Elemente in eine ursprünglich „liberale“ Theologie zu erreichen. Der andere Weg ist aber sicher nicht unmöglich. Wege in beide Richtungen lohnt es zu suchen, will man einen theologischen Stil kultivieren, der gleichzeitig praxistauglich und dicht, also in doppelter Hinsicht (Vergangenheit und Gegenwart) erfahrungsgesättigt ist.

 

Tobias Graßmann am 20.12.2013, Göttingen

 

1 Man spiele beide Möglichkeiten nur einmal bei Paulus, Thomas v. Aquin, Luther oder – besonders spannend – Karl Barth durch...
2 Inwiefern diese Typologie auf nichtchristliche Religionen, Weltanschauungen und Symbolsysteme übertragbar ist, wäre zu prüfen. Zumindest auf den ersten Blick scheint sie auch dort in vielen Fällen anwendbar zu sein.
3 Diese Kriterien sind oft der Tradition selbst entnommen.
4 NB: Deutlich wird hier auch die Möglichkeit einer „liberalen Scholastik“, die ursprünglich liberale Traditionsbestände bzw. Inhalte aufgreift, aber in einer Weise behandelt, dass sie formal alle Charakteristika orthodoxer Theologie aufweist.
5 Natürlich ist nicht zu bestreiten, dass viele Reformatoren zu ihrer Zeit gelingende, weil überzeugende Verkörperungen dieses „reformerischen“ Theologietyps waren. Gerade aber auch die gegenreformatorische Theologie wäre in diesem Sinn „reformerisch“ zu nennen.

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Kommentare

Johannes Graßmann
Lieber Tobias,

danke für die schöne Darstellung von orthodoxer und liberaler Theologie, aber ich habe den Eindruck, dass hier doch sehr stark für die Orthodoxe Theologie Partei ergriffen wird, indem die liberale Theologie auf die Kommunikation der theologischen Lehre reduziert wird. Die Konzeption der "reformerischen Theologie" hat auf mich den Eindruck eine orthodoxe Theologie zu sein, die sich ihrer Schwächen bewusst ist. Es fehlen die bedeutenden Impulse der liberalen Theologie beispielsweise bezüglich der Erweiterung des theologischen Quellenbestandes. Diese klingt zwar indirekt im "zeitlos gültige[n] Kern unter zeitgebundenen Schalen" an, wird aber doch kaum berücksichtigt. Beispielsweise die gegenwärtige religiöse Lebenspraxis (Troeltsch, Schleiermacher) und ihr innewohnender Wert für die Theologie wirkt zu Gunsten der Tradition stark vernachlässigt. Womöglich hast du diese Quelle in die "Verständlichkeit" integriert, aber dann muss darauf geachtet werden, dass Theologie nicht nur eine Lehre für die gegenwärtige Situation zu bieten hat, sondern auch eine Lehre aus der gegenwärtigen Situation zu ziehen hat.


Vielen Dank Johannes Graßmann
20.12.2013 - 11:55 Uhr
Der Autor
Lieber Johannes,

vielen Dank für Deinen Kommentar und insbesondere Deine kritischen Anmerkungen.

Zunächst: Die Entscheidung, die Differenz zwischen liberaler und orthodoxer Theologie hier gerade über den Traditionsbezug aufzuziehen hat natürlich Folgen. Wenn eine "orthodoxe Schlagseite" zu beobachten ist, dann liegt das sicher daran... jede Versuchsanordnung schreibt dem Experiment eine gewisse Richtung ein.

Was den konkreten Fall der "reformerischen Theologie" angeht, so hatte ich sie (siehe letzter Absatz) beim Schreiben eigentlich eher als liberale Theologie konstruiert, die ihre Schwäche (den Hang zum Reduktionismus) erkennt und sich stärker als "frei zu ..." als "frei von ..." begreift. Was deine Anfrage somit zeigt ist: Das Unternehmen Vermittlung ist immer ein schmaler Grat, auf dem man zwar gehen kann, aber besser nicht stehenbleiben und nach unten schauen sollte.

Zur Erweiterung der Quellenbasis (hier zur Weihnachtszeit mal ganz traditionell verstanden): Ob diese Erweiterung dann den jenseits des alten Kanons neu erschlossen Texten wirklich den Rang der "Tradition" einräumt und so die Kanongrenzen erweitert, oder nicht vielmehr z.B. das Judas- und Petrusevangelium dazu genutzt werden, den besonderen Status von Matthäus und Johannes in Frage stellen, ohne jetzt selbst im Gottesdienst verlesen zu werden (ein plattes Beispiel, zugegeben), wäre allerdings zu fragen. Ich bin da äußerst skeptisch - an welche Neuerschließung denkst Du denn konkret?

Als wesentliches Charakteristikum liberaler Theologie scheint mir jedenfalls die kritische Reduktion eher zu taugen als das Erschließen neuer Quellen - damit würde sie (in meiner Typologie) schon "reformerisch".

Was die Quelle der gegenwärtigen Lebenspraxis angeht, so ist meine (zugegebenermaßen nicht ganz an der Textoberfläche liegende) These, dass deren Ansprüchen einerseits auch die Orthodoxie und Reaktion nicht entgehen können, wenn sie es auch weniger offen sondern gewissermaßen unter der Maske der Auslegung tun. Es wäre damit eher eine Frage des "Wie" und des Grades der Bezugnahme, keine wirkliche Unterscheidung.

Wird andererseits die gegenwärtige Lebenspraxis nicht nur berücksichtigt, sondern quasi zu Programm erhoben und als Kriterium von außen an die Tradition angelegt, so mag das für das fromme Bewusstsein (d.h. auf der Ebene der Religion) unproblematisch sein ... wie das dann aber auf der Ebene der Theologie nicht in einen fragwürdigen Subjektivismus individueller Geschmacksurteile (ich nenne das im Unterschied von "moderner" dann gerne "modische" Theologie) abgleitet, ist ein anderes Problem, das einen eigenen Artikel wert wäre.

Ich hoffe, mit diesen Ergänzungen zur Präzision des Textes noch beitragen zu können,

Tobias Graßmann

PS: Entschuldige das späte Freischalten des Kommentars ... wie man vielerorts sieht, läuft gerade bei diesen Sachen die Seite noch nicht ganz rund. Unser Mann arbeitet daran.
23.12.2013 - 14:23 Uhr
Tim Schedel
Zuerst einmal, ein „Merci Dir“ für die wirklich gelungene Darstellung der beiden Richtungen. Stärken, Schwächen und Chancen wurden jeweils einleuchtend dargestellt.
In der Praxis des Theologie-Studiums ist es m.E. doch so, dass man sich relativ schnell zu einer der beiden Richtungen hingezogen fühlt. Das sollte sich aber nicht nur auf die Systematische Theologie beschränken, sondern auch in den exegetischen Fächern oder der Praktischen Theologie meine ich die beiden Richtungen erkennen zu können. Besonders interessant wird es natürlich an dem Punkt, wenn in jemandem „Konflikte“ der Richtungen fächerübergreifend auftreten. Als Beispiel will ich hier eine Studentin nennen, die ihre dogmatische Argumentationen auf die Theologie der Reformatoren stützt, aber sich im Neuen Testament mit der „New perspective“ der Paulus Exegese identifiziert. Diese läuft jedoch der „klassischen“ Luther/Bultmann Lesart der Paulinen zum Thema Rechtfertigung freilich völlig entgegen. Dies erschwert natürlich eine Selbsteinordnung, aber hier erkenne ich Chancen des Ansatzes der als „Reformerische Theologie“ bezeichnet wird. (Kleine Zwischenfrage: Hast Du diesen Begriff erfunden, ich lese ihn hier zum ersten Mal?).
Als weitere praktische Konsequenz sehe ich zudem noch die Wahl des Studienortes. Aufgrund der Selbsteinordnung wählen viele nach dem Grundstudium akademische Lehrer, denen sie sich zugehörig fühlen und wechseln in eine Stadt deren Fakultät gemeinhin als eher als konservativ (Bsp. Tübingen) oder liberal (Bsp. Göttingen) gilt. Ich will hier nicht pauschalisieren, jedoch in Gesprächen, vor allem mit Dozenten, ist es doch noch der Fall, dass solche Stereotypen der deutschen Hochschulstandorte auftreten. Daher stellt sich nun hier die Frage, ob die Universitäten entweder ihr Profil schärfen sollten oder versuchen sollten möglichst viel zu vermitteln. Doch auch hier muss ich sagen, dass mir eine Universität mit Profil lieber ist, als ein völlig indifferentes Bild der Fakultät. Ich denke bei zweiterem vor allem an meine Zeit in Berlin, wo sich wirklich alles fand und keiner so recht Bescheid wusste, was er nun will und das Bild der Fakultät durch Streitigkeiten, innerhalb des Lehrkörpers gezeichnet war. Tragischer Höhepunkt war letztes Sommersemester, als der Ethik-Lehrstuhl, trotz Vorsingens fünf geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten nicht besetzt wurde.
Die große Chance sehe ich natürlich im konstruktiven Dialog mit Kommilitonen der jeweils anderen Richtung. Der aufgezeigte Mittelweg ist natürlich ein wünschenswertes Ideal, doch wird er schwer zu erreichen sein. Und auch bereichert es das Studium ungemein, wenn man sich durch geistreiche, nicht fundamentalistische, Diskussionen mit dem anderen Part kleine Niederlagen eingestehen muss und dadurch die eigene Position immer wieder neu überdenken und schärfen muss.

PS: Auch wenn dieser theologische Kalauer seinen Ort wohl eher in der Kategorie „Witziges und Skurilles“ hat, will ich ihn hier nicht vorenthalten: Der größte Unterschied zwischen dem konservativen und liberalen Theologen ist der, dass der liberale es am Sonntag mit der Kirche sein lässt und direkt zum Frühschoppen geht.
In diesem Sinne auf ein frohes Miteinander
16.01.2014 - 20:23 Uhr
Der Autor (noch einmal)
Lieber Tim,

vielen Dank für deinen Kommentar, dem ich wenig hinzufügen kann. Dass der Mittelweg ein Grenzbegriff oder Ideal ist und damit kaum je zu realisieren, habe ich -- denke ich -- zumindest angedeutet. Gleiches gilt mE aber auch für die beiden anderen Typen "in Reinform".
Was die "reformerische" Theologie angeht, so habe ich diesen Begriff tatsächlich im Laufe der Ausarbeitung dieses Textes gebastelt (früher stand da auch mal "kritisch", aber das klang mir zu sehr nach dem Selbstanspruch der Liberalen). Ich will aber nicht ausschließen, dass er mir irgendwo schon einmal untergekommen ist und ich ihn daher unbewusst übernommen habe. Ich finde ihn jedenfalls eigentlich ganz glücklich, gerade da er das "immer auf's Neue" ebenso ausdrückt wie die Notwendigkeit, den Bezug zu einer "Form" zu wahren (die re-formiert werden soll).
Zum Beispiel mit Luther und der New-Perspective: Das ist sehr interessant und verdient eigentlich einen eigenen Artikel.
Was die Universitätspolitik betrifft, bin ich auch für eine klare Profilierung und Konturierung, wenn und insofern gleichzeitig der Wechsel während des Studiums für Studierende möglich bleibt und auch von den Lehrenden aktiv propagiert wird!
Danke natürlich auch für die humoristische Summe. Was macht aber jetzt der "Reformer"? Im Gottesdienst trinken? Kneipengottesdienst?

Besten Gruß,
Tobias Graßmann
29.01.2014 - 20:17 Uhr