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Nochmal: Liberale Theologie

von Niklas Schleicher Der Artikel „Braucht liberale Theologie eine normative Moderne?“ von Tobias Graßmann lieferte eine interessante Diskussion im Kommentarbereich, bei der Autor sich vor allem mit den kritischen Nachfragen von Klaus Beckmann auseinandersetzte und seine Position weiter präzisieren konnte. Wenn ich jetzt einen Versuch liefere, mich in die Debatte einzuklinken, dann kann dieser nur den Sinn haben, andere Punkte vielleicht noch einmal etwas herauszuheben, die mir im Artikel und in der Diskussion entweder zu kurz kamen, oder so nicht unwidersprochen stehen bleiben dürfen. Zunächst: Tobias Graßmanns Darstellung der Aporie einen normativen Begriff der Moderne etablieren zu wollen finde ich ... mehr

Der Sinn der Schrift und inwiefern Jesus Christus ihre Mitte ist (Zur Lehre von der Schrift Teil 2)

von Tobias Graßmann Dieser Artikel setzt die produktive Auseinandersetzung mit den Thesen Notger Slenczkas zum Alten Testament fort, wie sie Niklas Schleier hier auf nthk.de gefordert hat. Im ersten Teil wurde unternommen, eine auch heute noch plausible Inspirationslehre zu konzipieren und mit deren Hilfe die theologischen Argumente zu systematisieren, die für oder gegen die kanonische Geltung eines Textes vorgebracht werden können. Der Sinn der Schrift als dogmatische Aufgabe In der jüngeren Debatte scheint allgemeiner Konsens zu sein, dass die Aussage, Jesus Christus sei die Mitte der Schrift, mit Blick auf das Alte Testament nicht (mehr) seriös vertreten werden kann. ... mehr

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Zur Lehre von der Schrift Teil 1

Was bedeutet Inspiration und wie wird ein Text kanonisch? von Tobias Graßmann Der Berliner Dogmatiker Notger Slenczka hat kürzlich mit seiner auf religionsgeschichtliche und theologische Thesen gestützten Forderung, dem Alten Testament solle im Protestantismus im Gegensatz zum Neuen Testament nur ein eingeschränkter kanonischer Rang zukommen, eine hitzige Debatte losgetreten. Niklas Schleicher kritisiert zu Recht, dass in dieser Debatte vielerorts die eigentlich grundlegenden Fragen ausgeklammert bleiben und man mitunter das Gefühl hat, den Kritikern Slenczkas ist primär daran gelegen, sich schnell und deutlich von dessen Thesen zu distanzieren – ohne ihr eigenes Hintergrundverständnis von Stellung und Verbindlichkeit der biblischen Schriften ... mehr

Vom Alten Testament und dem protestantischen Schriftprinzip – Eine Exposition zu einer Diskussion?

von Niklas SchleicherMit vorliegendem Text möchte ich gerne die von Notger Slenczka aufgebrachte Frage zur kanonischen Geltung des Alten Testaments auf nthk.de diskutieren. Ich würde mich über Widerspruch, Differenzierungen, etc. sehr freuen, zumal folgender Text eher eine Skizze und eine Anfrage darstellt. Gestern also auch Jan Assman: „'Mit dem Verlust des Alten Testaments verlieren die Christen nahezu alles', sagt der Kulturwissenschaftler Jan Assmann der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" (Mittwoch). Eine Kirche, die sich vom Alten Testament verabschiede, laufe Gefahr, 'zur Sekte zu werden'. Ohne das Alte Testament sei das Neue Testament mit seinen Geschichten über Jesus nicht zu verstehen: 'Das ... mehr

Für uns gestorben

Persönliche Erfahrungen mit dem neuen EKD-Grundlagentext von Sebastian Wieder Eins muss man vorab sagen: Der Text umschreibt elegant und treffend die verschiedenen Arten, wie evangelische Frömmigkeit im Kontext der ev.-luth. Kirche mit dem Thema Tod und Sterben in der Passionszeit umgeht. Beschriebenen Formen evangelischer Passionsfrömmigkeit durfte ich in Neustadt/Aisch begegnen: So wurde ein klassischer Abendmahlsgottesdienst am Abend des Gründonnerstags gefeiert, in welchem an die Einsetzung des Abendmahls erinnert und dieses selbst gefeiert wurde. Die Predigt war stark auf das Feiern von gemeinsamen Mahlen und auf die aktuelle Abendmahlspraxis in der Gemeinde fokussiert, da dies ein aktuelles Thema in den Beratungen ... mehr

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Braucht liberale Theologie eine normative Moderne?

Sie kennt die Falschen und die Echten / sie trennt die Guten von den Schlechten (Fink – Stern) Dieser Beitrag greift eine Frage auf, die auf dem 11. Kongress der Ernst-Troeltsch-Gesellschaft, der unter dem Titel Freiheitsglaube. Liberale Religion heute vom 16.-18. Februar in Augsburg stattfand, gestellt wurde: Welche Bedeutung hat ein „normativer Modernebegriff“ für eine Theologie, die sich als „liberal“ versteht? Nun sollen die dortigen Diskussionen hier nicht im Detail nachgezeichnet oder einfach fortgeschrieben werden. Stattdessen soll hier eine grundsätzliche Positionierung erfolgen. Als Kritiker einer solchen Konzeption von liberaler Theologie möchte ich 10 Argumente präsentieren, die mich dazu führen, einen ... mehr

Der Dirigent als Zuhörer?

Prof. Martin Nicol – eine Begegnung Tobias Graßmann traf sich für ein persönliches Gespräch mit Prof. Martin Nicol aus Erlangen. Statt einer hitzigen Disputation über Homiletik und Liturgik erwartete ihn die Frage: Wie sieht denn Ihr Traumgottesdienst aus? Die Vorgeschichte Meinem Gespräch mit Prof. Nicol war ein Emailverkehr vorangegangen, der sich an einer hitzigen Mail meinerseits entzündet hatte. Ich hatte die vom Predigerseminar Nürnberg empfohlene Programmschrift Nicols zur Liturgik unter dem Titel Weg im Geheimnis gelesen – die Warnungen vor der exzentrischen Sperrigkeit dieser Konzeption, die dieser Empfehlung beigegeben waren, hatten mein Interesse eher befördert, als geschwächt. Nach der Lektüre aber ... mehr

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Es gibt keine gravierenden Unterschiede? - Ein Plädoyer für die Kindertaufe

von Claudia Kühner-Graßmann Michael Neudecker konstatiert in seinem Artikel vom 04. Januar 2015 auf sueddeutsche.de, dass es keine Unterschiede mache, ob ein Kind getauft oder (noch) nicht getauft sei.1 Dass er damit zu kurz greift, da es ihm um rein äußerliche Unterschiede wie die Teilnahme am Religionsunterricht geht, soll an dieser Stelle als Auseinandersetzung mit diesem Artikel genügen. Vielmehr nehme ich diesen Artikel zum Anlass, ein Plädoyer für die Kindertaufe zu verfassen. Ausgehend von der reformatorischen, hauptsächlich der lutherischen Tradition erfolgt hier keine rein wissenschaftliche, historische oder dogmatische Auseinandersetzung. Vielmehr möchte ich im Spiel mit der ... mehr

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Der Umgang mit pseudepigraphen Schriften in der modernen Theologie

von Tim Schedel Speziell für den Protestantismus und sein reformatorisches Schriftprinzip hat die Bibel als norma normans eine besondere Gewichtung. Ihr konnte, als göttlich inspirierte Schrift, argumentativ schwer begegnet werden. Allerdings benötigte sie dazu einen integren Textbestand. Sprich die Texte sollten von denjenigen Autoren stammen, die in den Schriften suggeriert wurden. Ein absichtliche Täuschung der Autorenschaft eines biblischen Schriftstücks stellte für den Protestantismus den worst case dar, da der theologischen Diskussion damit jeder Boden entzogen war. Spätestens mit der Anzweiflung der Echtheit des 1Tim durch F.D.E. Schleiermacher im Jahre 1807 wurde das Thema der Pseudepigraphie für die Theologie zu ... mehr

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Das Alte Testament im alltäglichen Vollzug des Vikariats

„Bewahre deinen Fuß, wenn du zum Hause Gottes gehst, und komm, dass du hörst.“ (Prediger 4,17) Ich stehe mit sechs Konfis auf der Kanzel. Es ist Churchnight in Neustadt/Aisch. 53 Konfis wuseln spätabends durch die gesamte Kirche und müssen in einer Kirchenraumrally verschiedene Stationen in der Kirche abgehen und Fragen beantworten. Die Kanzel ist eine dieser Stationen. Frage: „Was passiert hier oben im Gottesdienst?“ Die Antwort ist schnell gefunden: „Hier wird gepredigt.“ Frage: „Wie nennt man diesen ‚Balkon‘ auf dem wir hier stehen?“ Die Frage ist schon schwierig. Die Antwort fällt nicht ein. Ich verschiebe diese Frage nach hinten und stelle die dritte: Frage: „Wer sind ... mehr

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Die Barmer Theologische Erklärung als Bekenntnistext im Luthertum

Ein Essay von Christina Hörsch 1. Lutherische Reserven gegenüber der Rezeption der BThE als Bekenntnistext1 Die lutherische Kritik2 an der BThE richtet sich hauptsächlich gegen die Rezeption der BThE als verbindliches Lehrbekenntnis neben den reformatorischen Bekenntnisschriften. Generell wurde die BThE in ihrer Zeit von lutherischer Seite als akzeptable Grundlage wahrgenommen, an der dem jeweiligen Bekenntnis gemäß weitergedacht werden kann. Dennoch gab es schon bei Entstehung der BThE kontroverse Auseinandersetzungen um ihre kirchenrechtliche Stellung und ihre theologische Beschaffenheit. Diese Kontroversen wurden erneut bei der Neuordnung des Protestantismus nach 1945 aktuell, als bedacht wurde, inwiefern die BThE in Kirchenordnungen und Verfassungen aufgenommen werden soll. ... mehr

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Lebendige Konfessionskulturen III: Veränderungen

Persönliche Erfahrungen mit Katholizismus und Protestantismus   Hallo, ich heiße Antonia Reihing1 und studiere evangelische Religion. Das war aber nicht immer so. Ich bin katholisch getauft und so war es nach meinem Abi für mich, mit meinem Interesse später Religion zu unterrichten, nur selbstverständlich, katholische Religion zu studieren. Mein erstes Studium habe ich dann mit viel Elan in Osnabrück begonnen. Zu dieser Zeit kam für mich nur katholische Religion in Frage. Ohne dass meine Eltern einen großen Einfluss drauf gehabt haben, eher von meiner Großmutter beeinflusst, habe ich den evangelischen Glauben schon als kleines Kind eher als “falsch” betrachtet. Dies ... mehr

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Lebendige Konfessionskulturen II: Unierter Protestantismus – wie hältst du's mit der Confession?

Tobias Jammerthal Elf deutsche Landeskirchen und damit die Mehrheit der Mitglieder der Evangelischen Kirche in Deutschland, sind unierte, vereinigte Landeskirchen.1 Sie sind seit ihren Anfängen theologischer Kritik ausgesetzt. Insbesondere lutherische Theologen sehen in ihnen eine absonderliche Spätblüte des landesherrlichen Kirchenregiments, bei dem vor allem eines theologisch nicht beachtet wurde: die Frage des Bekenntnisses. Und in der Tat erscheint es auf den ersten Blick seltsam, dass eine vereinigte Kirche zugleich mit Martin Luthers Kleinem Katechismus den Heidelberger Katechismus als Bekenntnisschrift anerkennt.2 Wie also hält es der vereinigte Protestantismus mit dem Bekenntnis? Die Grundthese, die hier zu entfalten ist, lautet: Der vereinigte Protestantismus ... mehr

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Lebendige Konfessionskulturen I: Lutherische Identität

Eine konfessionelle Standortbestimmung von Jan-Philipp Behr Einleitung – die Pluralität des Luthertums und die notwendige Aufgabe der lutherischen Identitätsklärung Einmal im Jahr tagt die EKD-Synode, in Verbindung mit ihr tritt ebenfalls die Generalsynode der VELKD zusammen, deren Synodale gleichzeitig Mitglieder der EKD-Synode sind. Nun könnte man meinen, dass sich hier kirchliche Doppelstrukturen finden, doch kommt darin auch zum Ausdruck, dass die EKD ein Kirchenbund verschiedener konfessioneller Kirchen ist, die sich dann wiederum auch selbst steuern. Doch was ist das Spezifische der lutherischen Kirchen, was ist es, das das Luthertum prägt? Denn nur, wenn es so etwas wie eine spezifisch lutherische Prägung ... mehr

Das Schlechteste aus beiden Welten?

oder: Kleine Typologie des Traditionsbezugs Vorbemerkung: Bevor nach Weihnachten die Reihe „Lebendige Konfessionskulturen“ mit einem Fokus auf gelebter Frömmigkeit startet, möchte ich hier noch versuchen, ein wenig Theoriearbeit vorzustellen und damit eine Typologie zu entwerfen, die bestimmte theologische Stile mit Blick auf Art und Verfahren ihres Traditionsbezugs charakterisiert. Folgender Text will durch die Konstruktion zweier überspitzter, gegensätzlicher Idealtypen – „orthodoxe“ (d.h. rechtgläubige) und „liberale“ (d.h. freiheitliche) Theologie – gerade dazu anregen, bei konkreten Beispielen nach dem Mischungsverhältnis orthodoxer und liberaler Elemente zu suchen. Für keine historische oder aktuelle Konzeption oder Persönlichkeit dürfte folglich eine reine Charakterisierung als ausschließlich „orthodox“ oder „liberal“ plausibel sein.1 ... mehr

Bibel und Bekenntnis

„… also daß in alle Wege ein Unterscheid soll und muß gehalten werden zwischen unnötigem und unnützem Gezänk, damit, weil es mehr verstöret denn bauet, die Kirche billich nicht soll vorwirret werden, und zwischen nötigem Streit …“ (BSLK 839) Ein Eröffnungsartikel von Tobias Graßmann Diese Rubrik ist überschrieben mit „Bibel und Bekenntnis“ und soll sich reformatorischem Selbstverständnis und protestantischem Profil widmen, insbesondere als konfessionell bestimmte Identität. Identität soll dabei zumindest vorläufig nicht rein individuell, sondern als Selbstverständnis im Horizont einer Gruppe verstanden werden, die einen gemeinsamen Bezug auf Tradition und geteilte Geschichte pflegt. Inwiefern beschreibt nun die Formel „Bibel und Bekenntnis“ protestantische ... mehr

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